Haus_Schnaufer_Lederstrasse_39_Calw
Haus Schnaufer (Altdeutsches Haus)
Lederstraße 39
75365 Calw

Audio Stadtrundgang

  • 20. Altdeutsches Haus (Haus Schnaufer)

Haus Schnaufer (Altdeutsches haus)

Dieses stattliche und wohl schönste Fachwerkhaus Calws wurde 1694, zwei Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand, errichtet. Die handwerkliche Ausführung gibt Zeugnis von der hohen Kunstfertigkeit der Zimmerleute, aber auch vom Wohlstand des Erbauers Johann Jakob Schill. Seinen Wohlstand verdankte er der Zugehörigkeit seiner Familie zur Calwer Zeughandlungscompagnie.
Die Inschrift am Erker des Hauses lautet:

HERR WACH FÜR DISES HAUS
DARZU DIE ENGEL SENDE EIN
LAS DIER BEFOLEN SEIN WAS
GEHET AUS UND EIN
ALL UNGLICKH RAUB UNDT
BRAND FÜRHIN DAVON ABWENDE

1751 wurde das Gebäude an Mitglieder der Familien Zahn und Doertenbach, zwei weiteren Familien der Calwer Compagnie, verkauft. In einem Anbau hinter dem Haus versuchten sich die Käufer im neuen Metier der Porzellanherstellung in der zweitältesten Porzellanmanufaktur Württembergs. Die Calwer Manufaktur wurde allerdings nach fünf Jahren wieder aufgegeben – die technischen Schwierigkeiten waren trotz aller Bemühungen nicht zu bewältigen. Das Porzellan-Privileg des Herzogs und das einzig erhaltene Erzeugnis dieser Manufaktur, ein Teller, sind im Palais Vischer, Museum der Stadt Calw, zu bewundern. Das große Schild, das in vollem Glanz vor dem Gebäude hängt, gibt Auskunft über die überwiegende spätere Nutzung des Hauses: Weintrauben und Weinblätter als Motive verweisen auf die Weinkellerei, die sich bis 1975 hier befand und von der Familie Schnaufer betrieben wurde.


Bedeutung für Fachwerk-Rundgang:
Beim Fachwerkbau wird etwa ab Mitte des 16. Jahrhunderts jedes Stockwerk für sich konstruiert und gezimmert. Es besteht aus dem waagrechten unteren Balken, der Schwelle, den senkrechten Pfosten und Ständern und dem waagrechten, oberen Abschlussbalken, dem Rähm. Diagonale Streben dienen der Stabilität. Die Hölzer werden miteinander verzapft. Breite Eck- und Bundständer wechseln mit schmaleren Pfosten und Streben ab, dadurch entsteht ein lebendiges Bild.
Die Überstände der Geschosse, die Auskragungen, sind jeweils an den Schauseiten des Gebäudes zu finden. Sie unterstreichen den repräsentativen Charakter der Fassade. Der Raumgewinn pro Stockwerk ist dabei nur ein kleiner positiver Nebeneffekt.
Besonders eindrucksvoll an diesem Gebäude aus dem Jahr 1694 ist hier ein großer Erker als plastisches Gestaltungselement und zeugt damit von seinem wohlhabenden Besitzer. Verzierungen wie Konsölchenfriese, Eselsrücken und verzierte Balkenköpfe unterstreichen auch im Detail die Bedeutung dieses repräsentativen Wohngebäudes. Das Rundbogentor ziert eine Fächerrosette.
Download-Link: 04 Haus Schnaufer

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