Hermann Hesse - Jugendland-Erzählungen

Hermann Hesse - Schauplätze seines Lebens

  • Ein mit vielen Zitaten versehener Rundgang auf Hermann Hesses Spuren durch Calw findet sich in dem Taschenbuch „Hermann Hesse: Schauplätze seines Lebens“. Spurensuche in Calw, Maulbronn, Tübingen, Basel, Gaienhofen, Bern und Montagnola. Insel Taschenbuch 1964, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-458-33664-8.

Hermann Hesse und Calw

 Hermann Hesse verbrachte in Calw 1877-1881 und 1886-1895 prägende Kindheits- und Jugendjahre. Calw war für ihn die Heimatstadt: „Wo man ein Knabe war, da ist man zuhaus. ...Es gibt nur diesen einen Ort auf der Erde, wo mir jeder winzigste Winkel ganze Scharen von lebendigen Erinnerungen entgegenwirft, wo jedes Plätzchen in jeder Gasse für mich etwas Erlebtes, Erobertes, Unverlierbares ist und noch einen Nachglanz jenes fabelhaften, reichen, leidenschaftlichen Lebens an sich trägt, das ich als Knabe hier gelebt habe.“ (Aus: „Knabenzeit“).

Die Eindrücke, die er in Calw empfing, waren für Hesse so stark, dass er sie später in über drei Dutzend Erzählungen und Erinnerungen verdichtet hat. Meist nennt er in diesen Erzählungen die Stadt „Gerbersau“ – die Aue der Gerber“ –, nach den Gerbern, die einst in Calw an den Ufern der Nagold ihrem Handwerk nachgingen. Im Vorwort zu dem 1949 erschienenen Band „Gerbersau“, der seine „Gerbersauer“ d.h. Calwer Erzählungen zusammenfasste, schrieb Hesse:
„Je mehr das Alter mich einspinnt, je unwahrscheinlicher es wird, daß ich die Heimat der Kindheits- und Jünglingsjahre noch einmal wiedersehe, desto fester bewahren die Bilder, die ich von Calw und von Schwaben in mir trage, ihre Gültigkeit und Frische. Wenn ich als Dichter vom Wald oder vom Fluß, vom Wiesental, vom Kastanienschatten oder Tannenduft spreche, so ist es der Wald um Calw, ist es die Calwer Nagold, sind es die Tannenwälder und die Kastanien von Calw, die gemeint sind, und auch Marktplatz, Brücke und Kapelle, Bischofstraße und Ledergasse, Brühl und Hirsauer Wiesenweg sind überall in meinen Büchern, auch in denen, die nicht ausdrücklich sich schwäbisch geben, wiederzuerkennen, denn all diese Bilder, und hundert andere, haben einst dem Knaben als Urbilder Hilfe geleistet, und nicht irgendeinem Begriff von „Vaterland“, sondern eben diesen Bildern bin ich zeitlebens treu und dankbar geblieben; sie haben mich und mein Weltbild formen helfen, und sie leuchten mir heute noch inniger und schöner als je in der Jugendzeit.“

Nachdem Hermann Hesse 1895 als Achtzehnjähriger Calw verlassen hatte, kehrte er nur noch gelegentlich zu Besuchen zurück – dabei verfasste er z.B. 1903/1904 Teile seines Romans „Unterm Rad“ quasi vor Ort im Elternhaus in der Calwer Bischofstraße. Ganz wollte er aber nicht mehr in Calw leben. – Nicht weil es in den unruhigen Zeitläuften des 20. Jahrhunderts immer wieder zwangsläufig zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnissen zwischen dem Dichter und der von Kaufleuten, Handwerkern und Arbeitern besiedelten Stadt kam, sondern weil es etwas anderes zu schützen galt: „Die Heimat will ich mir nicht dadurch verderben, daß ich meinen Werktag dahin verlege; Kindheit und Schwarzwald sind für mich Heiligtümer erster Ordnung, die ich nimmer gefährden will“, schrieb er in einem Brief, in dem er die Frage seines Wohnsitzes erörterte. Calw war ihm zum inspirierenden poetischen Ort „Gerbersau“ geworden.

Bedeutende „Gerbersauer“ (Calwer) Erzählungen: Das Calwer Tagebuch (Der Kavalier auf dem Eise, Der kleine Mohr, Hotte Hotte Putzpulver, Der Sammetwedel), Karl Eugen Eiselein, Unterm Rad, Schön ist die Jugend, Garibaldi, In einer kleinen Stadt, Der Lateinschüler, Walter Kömpff, Hans Dierlamms Lehrzeit, Die Verlobung, Die Heimkehr, Emil Kolb, Der Zyklon, In der alten Sonne, Knulp, Kinderseele, Demian, Kindheit des Zauberers, Unterbrochene Schulstunde.


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