Biografie

1877 Am 2. Juli wird Hermann Hesse in Calw im Königreich Württemberg geboren. Seine Eltern sowie die Großeltern mütterlicherseits sind Missionare der Basler Mission, die in Indien gearbeitet haben und nun in Calw den „Calwer Verlagsverein“ leiten, der Schriften für die Mission verlegt. Der Großvater ist der bekannte Missionar, Indologe und Sprachforscher Hermann Gundert

1881-86 lebt er mit der Familie in Basel, wo der Vater junge Missionare ausbildet.
Die Familie, die vorher durch den aus Estland stammenden Vater die russische Staatsangehörigkeit hatte, nimmt die schweizerische an. Hermann besucht die Knabenschule der Mission.

1886 kehrt die Familie wieder nach Calw zurück. Hermann wird in die
Lateinschule eingeschult.

1890 wird er an der Lateinschule in Göppingen auf das Württembergische
Landexamen vorbereitet, das begabten Landeskindern eine kostenfreie Ausbildung zum Pfarrer oder Landesbeamten ermöglicht.
Vater Hesse erwirbt dazu für Hermann das württembergische Bürgerrecht.

1891 besteht er in Stuttgart das Landexamen und wird daraufhin in die Seminarschule im Kloster Maulbronn eingeschult.

1892 läuft er aus dem Seminar weg, da er sich von der für ihn vorgesehenen Laufbahn eingeengt fühlt und Träume von einer Existenz als Dichter hat. Die Eltern lassen ihn in der Anstalt Stetten auf seinen Geisteszustand untersuchen. Er rebelliert gegen diese Behandlung. Auf Vermittlung Dritter wird der Kompromiss gefunden, dass er am Gymnasium in Cannstatt bei Stuttgart seine Schulausbildung abschließen darf.

1893 absolviert er das Einjährig-Freiwilligen-Examen. Danach wohnt er wieder bei den Eltern in Calw und bildet sich in der großväterlichen Bibliothek autodidaktisch fort.

1894 beginnt er ein Praktikum in der Calwer Turmuhrenwerkstatt Perrot.

1895 beendet er das Mechanikerpraktikum und beginnt eine Buchhändlerlehre
in Tübingen.

1898 schließt er die Lehre erfolgreich ab. Nebenher hat er sich auf dem Gebiet der Literatur autodidaktisch weitergebildet und auch erste Gedichte und Prosastücke veröffentlicht.

1899 wechselt er als Buchhändler nach Basel und arbeitet in seiner Freizeit weiterhin schriftstellerisch.

1901 unternimmt er eine mehrwöchige Reise nach Italien.

1904 erscheint sein Roman „Peter Camenzind“, der ein großer Erfolg wird und den „Bauernfeld-Preis“ erhält. Mit dem Preisgeld kann Hesse sich als freier Schriftsteller selbstständig machen. Er heiratet die Basler Fotografin und Pianistin Maria (Mia) Bernoulli und begründe mit ihr in Gaienhofen am Untersee des Bodensees eine Familie. Er
schreibt in den Gaienhofener Jahren (1904-1912) zahlreiche Erzählungen, Gedichte und Buchrezensionen; 1905, 1909 und 1911 werden die Söhne Bruno, Heiner und Martin geboren.

1906 erscheint der erfolgreiche Roman „Unterm Rad“, in dem Hesse die Bedrängnisse seiner Schulzeit aufarbeitet.

1910 folgt der Musikerroman „Gertrud“.

1911 reist er nach Ceylon und Hinterindien.

1912 zieht er mit der Familie nach Bern um.

1914 behandelt Hesse im Roman „Rosshalde“ das Problem der Künstlerehe.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellt er sich der Musterung, wird aber wegen seiner Kurzsichtigkeit abgelehnt. In Artikeln in Schweizer Zeitungen ruft er die Kriegsparteien zu
Mäßigung auf. Er beginnt von Bern aus für die Kriegsgefangenenfürsorge zu arbeiten.

1916 erleidet er einen Zusammenbruch, nachdem seine Frau psychisch erkrankt ist und sein Vater stirbt, und begibt sich in psychoanalytische Behandlung.

1919 veröffentlicht er unter Pseudonym den Roman „Demian. Die Geschichte einer Jugend“. Auf Anraten seines Psychoanalytikers konzentriert er sich ganz auf seine schriftstellerische Existenz. Er versorgt seine Familie und zieht allein über die Alpen ins Tessin, wo er in dem Dorf Montagnola oberhalb von Lugano einen Ort findet, der ihm in den verbleibenden 43 Lebensjahren zur zweiten Heimat wird. Er beginnt neben dem Schreiben mit Aquarellmalen.

1920 erscheint „Klingsors letzter Sommer“,

1922 folgt „Siddhartha“, sein weltweit erfolgreichstes Buch.

1924 heiratet er in zweiter Ehe die Sängerin Ruth Wenger. Dabei erwirbt er auch wieder die Schweizer Staatsangehörigkeit.

1923-27 verbringt er die Winter in Basel bzw. Zürich und arbeitet am „Steppenwolf“.

1927 trennt sich Ruth von ihm. Es erscheint der Roman „Steppenwolf“, das Zeugnis einer tiefen Krise und Befreiung davon.

1930 folgt der Roman „Narziß und Goldmund“ und 1932 die Erzählung „Die Morgenlandfahrt“.

1931 geht Hesse mit der Kunsthistorikerin Ninon Dolbin eine dritte Ehe ein.

1943 schließt Hesse sein Hauptwerk mit dem „Glasperlenspiel“ ab, das für ihn ein humanistischer Gegenentwurf zur damals herrschenden nationalsozialistischen Barbarei ist, die er zutiefst ablehnt.

1946 erhält Hermann Hesse den Literaturnobelpreis als der „neben Thomas Mann würdigste Vertreter des deutschen kulturellen Erbes innerhalb der zeitgenössischen Literatur“.

1962 stirbt Hermann Hesse in Montagnola im Alter von 85 Jahren und wird auf dem dortigen Friedhof von Sant’ Abbondio beerdigt.

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