Stadtnachricht

Vorteile und Kritik am Klinikkonzept


Das Calwer Krankenhaus

Die Kreiskliniken Calw-Nagold sind ein Plankrankenhaus mit zwei Standorten, in Nagold und in Calw. Derzeit hat der Standort Calw 186 Planbetten. In einem längeren Verfahren hat der Kreistag des Landkreises Calw im Dezember 2013 erstmals den Grundstein für das damalige Krankenhauskonzept 3+ getroffen.

Heftig hat seinerzeit die Bürgerinitiative „Krankenhaus Calw“, einige Kreisräte und auch Oberbürgermeister Eggert dagegen angekämpft. Letztlich hat der Kreistag jedoch entschieden, bei 44 Ja-Stimmen und 5 Nein-Stimmen, das Konzept umzusetzen. Heute heißt das damalige Klinikkonzept nicht mehr 3+, sondern Klinikkonzept 2020.

Was hat sich verändert, was ist gut und was noch nicht? Positiv ist: Die wesentliche Veränderung ist, dass zum einen die Gynäkologie und Geburtshilfe statt  einer Belegabteilung eine Vollabteilung mit eigenem Chefarzt, Herrn Dr. Praski, wurde. Dies stellt ein wesentliches, ein positives Engagement des Landkreises dar. Denn von Anfang an war klar, diese Hauptabteilung wird nicht nur mit 500 Geburten einen wichtigen Versorgungsauftrag erfüllen, sie verursacht auch ein geplantes Defizit von jährlich ca. 1 Mio. Euro. Bewusst hat man sich dennoch für den Aufbau dieser Vollabteilung am Standort Calw entschieden.

Zum anderen werden in dem neuen Konzept um das neue Krankenhausgebäude weitere medizinische Leistungen angesiedelt, von denen das Krankenhaus und die Nachbarn gegenseitig profitieren. Dies ist eine Klinik für Psychosomatik mit 30 Betten, eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und eine Psychiatrische Institutsambulanz, eine 25 Behandlungsplätze umfassende Nephrologie (Betreuung von Patienten mit erkrankten bzw. transplantierten Nieren, sie ist am heutigen Standort nur halb so groß), eine kardiologische Praxis, ein Pflegestützpunkt und eine Einrichtung der AOK. Alle diese Angebote sind wertvolle Angebote für die Bevölkerung und das Krankenhaus.

Was ist immer noch unverändert: Das Raumprogramm. Das Krankenhaus selbst bietet weiterhin insgesamt 135 Pflegebetten: 66 für die Innere Medizin, neun für die Allgemeinchirurgie, 23 für Unfallchirurgie und Orthopädie, 25 für den Schwerpunkt Neurologie, zehn für die Frauenheilkunde und eines für Hals-Nasen-Ohren. Vier Betten für die Intensivmedizin, vier für die Überwachungseinheit und vier Betten für Schlaganfall-Patienten. Diese Betten sollen Fachgebiet übergreifend genutzt werden.

Kritisiert wird von der Bürgerinitiative, den (wenigen) Kreisräten, dem Gemeinderat und dem Oberbürgermeister, dass das Krankenhaus in Calw, von Anfang an geplant, 4 Mio. Euro Defizit erwirtschaften soll. Durch einen Überschuss in Höhe von 4-5 Mio. € in Nagold soll dann ein annähernd ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden. OB Eggert sieht darin von Anfang an einen wesentlichen Fehler in dem Krankenhauskonzept. Er befürchtet, dass ein Krankenhaus, auch wenn es von Anfang an geplant ein Millionendefizit erwirtschaften soll, dauerhaft in seinem Bestand gefährdet ist. Er äußert die Sorge, dass der Neubau nicht kommen wird, da mit dieser hohen Investition auch eine Verpflichtung einhergeht, das defizitäre Krankenhaus zu betreiben.

Seine Sorge ist, dass mit dem Umbau und Anbau in Nagold begonnen wird und dann, bevor in Calw der Neubau beginnt, festgestellt wird, dass sich das ausgeglichene Ergebnis der beiden Standorte nicht einstellt. Der Umbau und Anbau in Nagold könnte teurer werden als wie zuvor geplant und sollte sich auch der Neubau in Calw verteuern, dann besteht die Gefahr, dass keine Investition in Calw mehr erfolgt. Nagold jedoch, das als Gewinnstandort geplante Krankenhaus, wird saniert und erweitert – wohingegen Calw mit seiner geringen Bettenzahl in dem bisherigen, über 100 Jahre alten Gebäude bleibt. Vermutlich werden dann sukzessive weitere medizinische Leistungen in Calw abgebaut und nach Nagold verlagert.

Ein weiterer Kritikpunkt: Das Krankenhaus in Calw ist zu klein geplant. Es fehlen Betten und weitere Funktionsräume, die für die unfallchirurgische Versorgung und für die Hauptabteilung Gynäkologie und Geburtshilfe notwendig sind und vom Kreistag zugesagt wurden.

Die Kirchturmpolitik: In zahlreichen, öffentlichen Veranstaltungen wurde insbesondere OB Eggert aus dem Kreistag vorgeworfen, nur „seinen“ Krankenhausstandort im Sinn zu haben.

Die Bürgerinitiative „Krankenhaus Calw“ und OB Eggert hielten es damals und heute für ausgeschlossen, dass es zu einem ausgeglichenen Jahresergebnis durch die Klinikkonzeption 3+ und das heutigen Konzept 2020 kommen wird. Sie befürchten vielmehr ein weitaus höheres jährliches Defizit in Millionenhöhe.

In Nagold soll der Um- und Anbau im Frühjahr beginnen. Der Neubau in Calw liegt mindestens ein halbes Jahr dahinter zurück. Es wird sich also schon bald, unabhängig von der Diskussion um Bettenzahl und Unfallchirurgie zeigen, ob die Befürchtungen zutreffen. Nagold bekommt durch die Sanierung und die Erweiterung ein neuwertiges Krankenhaus. Bleibt es in Calw bei dem Neubau, den versprochenen medizinischen Leistungen, die dann doch deutlich mehr wie die 135 Betten erfordern?

Was passiert, wenn sich die wirtschaftlichen Erwartungen an das annähernd ausgeglichene Ergebnis zerschlagen? Wird dann ein neues Klinikkonzept für das eine Plankrankenhaus Calw-Nagold und seine zwei Standorte erarbeitet, um die medizinische Versorgung für den ganzen Landkreis an beiden Standorten sicherzustellen? Oder gibt es kein neues Konzept, sondern nur den An- und Umbau Nagold – und nichts in Calw? Es gilt also aufmerksam mögliche Entwicklungen zu verfolgen.

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