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Rede von Murkot Ramunny während des Besuchs des Oberbürgermeisters von Calw und seiner Delegation beim Jagannath-Tempel in Talasseri am 04.11.2001 in Talasseri, Südindien |
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Weitere Texte von Murkot Ramunny |
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Im Namen des Präsidenten und der Direktoren des Jnanodayam Yogam, der Leitung des Jagannath Tempels, heiße ich Sie alle willkommen. Dieser Tempel wurde 1909 von Sri Narayana Guru geweiht. Der Guru lebte und arbeitete zu einer Zeit, als Kastenunterscheidung und Unberührbarkeit in Kerala gravierend waren. Nach intensivem Studium der Veden und Upanishaden verbrachte Sri Narayana viele Jahre in der Waldeinsamkeit. Nachdem er sich selbst erkannt hatte, trat er wieder auf und begab sich in die Welt der unterdrückten Menschen, um sie aus dem Kastenunterschied und den sich daraus ergebenden Benachteiligungen zu befreien. Da er ein Unberührbarer war, bestand seine erste Tat darin, mit allen Konventionen und Traditionen des von Brahmanen beherrschten Hinduismus zu brechen und selbst einen Tempel zu weihen. Ohne jegliche Hilfe aus irgendeinem Lager, einschließlich der damaligen Regierung oder der sogenannten höheren Kaste, hatte er – ein einsamer Bettler, der glaubte, dass alle Menschen zu ein und derselben Schöpfung Gottes gehören – eine mächtige Axt gegen den orthodoxen Hinduismus geschleudert. Später wurden vier Zeilen an die Wände geschrieben: Als ihn die orthodoxen Brahmanen fragten, welches Recht ein Unberührbarer hätte, einen Shiva-Tempel zu weihen, lautete seine einfache Antwort: "Dies ist ein unberührbarer Shiva." Seine Methode bestand darin, die Menschen aufzurichten, ohne jemand zu verletzen, aber so, dass sie auf eigenen Füßen stehen und vorwärts schreiten konnten. Er weihte viele Tempel in Kerala und in Karnataka. Er reformierte die religiösen Praktiken der Menschen, indem er verschiedene Arten von Tempeln weihte. In einem wurde ein Spiegel aufgestellt: Wer sich zum Beten niedersetzte, sollte sich selbst sehen können. Sri Narayana glaubte an die Philosophie des Advaita, "nicht zwei, sondern einer", dass nämlich das Höchste in jedem existiert. Bald gab er es auf, Tempel zu weihen – was den Menschen Selbstvertrauen gegeben hatte – und vermied die Konfrontation mit denen, die ihnen den Zugang zum Tempel verweigert hatten. Ferner lag ihm die Erziehung und Bildung am Herzen. "Bilde euch und seid frei!" sagte er – frei von allen Fesseln des Aberglaubens und der Abhängigkeit von anderen. Das war der Beginn vieler Schulen und Colleges. Wir gedenken in Dankbarkeit des Werks von Dr. Hermann Gundert und seiner Frau, die als erste den Benachteiligten eine moderne Erziehung und Bildung vermittelten. Weiter riet Sri Narayana: "Gestaltet euer Leben und seid stark!" Das bedeutet, gemeinsam auf eigenen Füßen zu stehen. Als dritten Rat gab er aus: "Baut eine Industrie auf und verbessert eure Situation!" Wir erinnern an das Werk der Basler Mission, die Webereien und Ziegeleien gründete, um den Ausgebeuteten ein eigenes Einkommen zu verschaffen. Seine Weltsicht war so fortschrittlich wie irgendeine heute. "Eine Kaste, eine Religion, ein Gott", verkündete er. Alle Menschen gehören zu einer Kaste, deshalb sollte es keine Kastenunterschiede geben. Wir alle sind eins. Mit "einer Religion" meinte er, dass der Wesenskern aller Religion der gleiche wäre, wenn auch die religiösen Praktiken verschieden wären. Von den Religionen kann gesagt werden, dass sie vertikale und horizontale Aspekte haben. Der vertikale ist der Zugang zum Allmächtigen. Jede Religion lehrt uns, uns Gott zu übergeben: "Dein Wille geschehe!" Horizontal gesehen ist unsere Beziehung zu Gottes ganzer Schöpfung, wie alle Religionen lehren, dieselbe: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" "Alle sollen glückselig sein!" Alle diese Aussagen verweisen auf ein und denselben Zugang. "Welcher Religion er auch immer angehören mag, der Mensch muss gut sein," sagte Sri Narayana Guru. Wir werden an Gedanken Hermann Hesses erinnert, der den Krieg hasste und überall für Frieden eintrat. Die Lehren des Guru sind heute noch aktuell, ebenso die Gedanken Hermann Hesses und das Werk seines Großvaters Dr. Hermann Gundert. |
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© 2003 Stadt Calw - Impressum - HesseStadtCalw.de - Letzte Änderung: 08.11.2003 |
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