Begrüßung bei der Eröffnung der Ausstellung
"Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos"
In der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin am 18.04.2002

 
 

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Weitere Texte zu Veranstaltungen am 18.04.2002

Weitere Texte von Minister Rudolf Köberle

Weitere Texte zum Thema "Weltreligionen - Weltethos"

Sehr geehrte Damen und Herren,

Herzlich Willkommen in Baden-Württemberg. Am 25. April, in wenigen Tagen, wird Baden-Württemberg 50 Jahre alt. Unser Land feiert – das ganze Jahr – und wir feiern in Berlin mit. Das Landesjubiläum tritt heute aber eher in den Hintergrund angesichts der gewaltigen Themen, denen wir uns nähern wollen. Dreimal "Welt" heißt es in der Überschrift des heutigen Abends: "Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos". Vor diesem Anspruch muss die Beschäftigung mit uns selbst, mit der Geschichte unseres Ländles, auch wenn sie noch so interessant und erfolgreich ist, ein wenig zurücktreten.

Wer von uns würde heute Abend nicht zurückdenken, an den 11. September 2001. Wir können nicht über Religion, Frieden und Ethos im Weltmaßstab sprechen und zugleich die Augen vor der Realität des 11. September verschließen.

Von Friedrich Hölderlin, dessen Wort in dieser Landesvertretung immer auf besondere Weise präsent ist, stammt der so berühmte wie optimistische Satz: "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch."

Wer vermag aber heute schon zu sagen, ob die Bedrohung des Weltfriedens durch den Terrorismus zu einem Wachsen des Weltethos beiträgt.

Diese Ausstellung und der heutige Abend sollen aber jedermann deutlich machen, dass wir das "Projekt Weltethos" gerade jetzt unterstützen, dass wir gerade jetzt das Verbindende in den Religionen suchen und dass wir es gerade jetzt nicht tolerieren wollen, wie eine kleine Minderheit, ihre Religion zur Begründung für ihren Hass heranzieht.

Wir alle wissen genug über den Islam, um zu erkennen, dass es keine Religion des Hasses ist. Aber ich befürchte, dass es im Moment gar nicht so sehr darauf ankommt, was wir über den Islam wissen, sondern darauf, was der Islam von sich selber weiß. Auch das Christentum musste Prozesse der Selbstaufklärung durchlaufen und muss immer noch dazulernen – vieles anderes dadurch dazulernen, dass wir uns am Original ausrichten.

Der Religion, aber auch der Kunst und der Literatur tut man Unrecht, wenn man stets nur nach ihrem sozialen Nutzen, nach ihrer Verwertbarkeit für das menschliche Zusammenleben fragt. Aber auch diese Frage an Religion, Kunst und Dichtung hat ihre Berechtigung.

Es war zum Beispiel immer eine wichtige soziale Aufgabe von Künstlern und Dichtern, ihrer Zeit voraus zu sein. Die Religion dagegen sehen viele in der genau entgegengesetzten Rolle: Die religiösen Menschen scheinen immer die Konservativen zu sein, scheinbar immer ihrer Zeit hinterher. Manchmal sind es aber die Konservativen, die ihrer Zeit voraus sind, zum Beispiel solche Konservativen, die jene Friedensbotschaft, die in allen Religionen liegt, einfach nicht vergessen wollen.

In diesem Sinne war Hermann Hesse ein Konservativer, und genau damit war er seiner Zeit voraus. Er suchte und fand viel Verbindendes in den Religionen. Seine literarische Weltsicht öffnete ihm vor der Zeit den Blick für die Möglichkeit eines Weltethos. Vielleicht nähert sich 125 Jahre nach seiner Geburt der Zeitpunkt, wo aus literarischer Vorwegnahme politische Realitäten werden können. Vielleicht verbinden sich Hesse und Hölderlin in unserer Zeit, vielleicht kommen wir in diesen Zeiten der Gefahr jener heilenden und rettenden Kraft der Religionen näher.

Ein weltumspannendes Ethos fällt nicht vom Himmel, es muss langsam wachsen. Es kann nur aus der Kraft der Weltreligionen erwachsen. Es kann wachsen, wenn sich viele Menschen an vielen Orten der Welt für diese friedenstiftende Kraft der Religion interessieren. Deshalb möchte ich diesen Abend und diese Ausstellung als kleinen Beitrag verstehen, ein solches Interesse zu wecken und zu nähern.

Ich danke allen Mitwirkenden.

Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind und wünsche Ihnen einen guten Abend bei uns in Baden-Württemberg.