Begrüßung zur Ausstellungseröffnung
        Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos
   in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin am 18.04.2002

 
 

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Weitere Texte zu Veranstaltungen am 18.04.2002

Weitere Texte von Oberbürgermeister Werner Spec

Weitere Texte zum Thema "Weltreligionen - Weltethos"

Ich möchte Sie meinerseits aus der Hermann-Hesse-Geburtstadt Calw heute Abend hier ebenfalls sehr herzlich begrüßen. Sie können sich vorstellen, dass es etwas ganz besonderes ist, dass wir in Berlin ein Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm zusammengestellt haben und dass wir aus Berlin Berliner begrüßen können zu diesen Veranstaltungen und Ausstellungen und viele Gäste auch aus dem Ausland. Für uns hat das 125 Geburtsjubiläum des Nobelpreisträgers Hermann Hesse eine für uns im Zeitpunkt der ursprünglichen Planung vor drei, vier Jahren ungeahnte Dimension bekommen. Wir haben selber in diesem Zeitraum sehr viel dazu gelernt über den Großvater, der 23 Jahre lang in Indien gearbeitet hat, im Umfeld von Hindus, Buddhisten, Muslimen, Christen. Der zwar zusammengearbeitet hat mit der Basler Missionsgesellschaft aber nicht selber eigentlich als Missionar tätig war, sich als solcher verstanden hat, sondern, der sich auseinandergesetzt hat mit diesen Religionen, der 16 Sprachen gesprochen hat, Arabisch gelernt hat, beispielsweise deshalb gelernt hat, weil es auch vereinzelt damals Mitte des 19. Jahrhunderts schon Konflikte gab, zwischen den Hindus, zwischen den Missionaren, teilweise zwischen Muslimen.

Er hat Arabisch gelernt um den Koran lesen und verstehen zu können und er hat gesagt, wer sich an die Regeln des Koran hält kann eigentlich kein schlechter Mensch sein. Eine bemerkenswerte Erkenntnis also eines württemberger Theologen und Sprachwissenschaftlers in dieser Mitte des 19. Jahrhunderts und sein Enkel Hermann Hesse, der in einem Elternhaus aufgewachsen ist, seine Eltern, seine Mutter ist in Indien geboren, mit dem Großvater zusammen, der den zweiten Teil seines Lebens in unserer Stadt in Calw zugebracht hat. Sein Enkel Hermann Hesse sollte später einmal sagen: "Ich glaube an nichts in der Welt so tief, keine andere Vorstellung ist mir so heilig, wie die der Einheit, die Vorstellung, dass das Ganze der Welt eine göttliche Einheit ist und das alles leiden, alles böse nur darin besteht, dass wir einzelne uns nicht mehr als unlösbare Teile des Ganzen empfinden, dass das ICH sich zu wichtig nimmt."

Hermann Hesse im Nordschwarzwald, in einer Region aufgewachsen, die in einem sehr eng verstandenen christlichen Pietismus geprägt war. Aus dieser Enge aus der er schon im Grunde als junger Mensch ausgebrochen ist, und sich durch diese Erfahrungen im Umfeld der Mutter, des Großvaters, die zu Hause Indische Lieder gesungenen haben, aus diesen Erfahrungen und aus der Zeit in Indien immer wieder gesprochen haben sich sehr stark - 20 Jahre lang mit dem Hinduismus, mit dem Buddhismus auseinandergesetzt hat, später auch mit dem Taoismus - Laotse - und später dann noch mit dem Zenbuddhismus, japanischer Prägung. Am Ende seines Lebens nach einer langen Suche ist Hermann Hesse zurückgekommen zu einem religiösen Verständnis, das sich wieder stärker am christlichen Glauben orientiert hat, aber in einer wesentlich weiteren Auslegung.

Seine wichtige Kernerfahrung war, dass diese Religionen, diese Philosophien eigentlich in ihrem Kern einen humanen Geist haben, dass sie sich in ihrem Kern sehr stark ähneln. Dies hat uns veranlasst, die Kooperation mit der Stiftung Weltethos zu suchen, die sich um die Wende des 21 Jahrhunderts in einer Diskussion mit Tony Blair mit der Frage beschäftigt hat: Was kann die Weltgesellschaft tun, damit diese Gräuel, damals in Restjugoslawien, in Südeuropa, damit dieser Hass, diese Unrechtsgefühle abgebaut werden können, damit nicht am Ende immer das militärische Eingreifen steht. Dieser Gedanke der Toleranz des Verständnisses verschiedener Kulturen und Religionen. Wir haben uns dazu inspirieren lassen, dass diese wesentlichen Erfahrungen im Werk Hesses eigentlich einen wichtigen Beitrag in diesem Prozess leisten können. Einem Prozess, der Defizite ausgleichen kann in einer Globalisierung, die immer noch sehr stark wirtschaftlich geprägt ist. Uns so freuen wir uns, dass wir Ihnen heute, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Weltethos, diese Ausstellung über die Weltreligionen, den Weltfrieden zeigen können. Wir haben, ich habe es vorher schon erwähnt, hier in Berlin, weitere Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekte am 16. Mai werden wir im Kulturforum am Potsdamer Platz, vorausgehend mit einem Festakt in der Berliner Philharmonie mit Bundespräsident Johannes Rau die Ausstellung und das Werk Hermann Hesses "WeltFlechtWerk - Die Einheit hinter den Gegensätzen" eröffnen, die wir bis im Zeitraum Juli hier in Berlin zeigen begleitet mit einigen Diskussionsveranstaltungen, die sich mit dem Werk, verschiedener Aspekte aus dem Werk Hermann Hesses auseinandersetzen.

Es gibt eine Ausstellung im Nikolaihaus über die Freundschaft Hermann Hesse mit dem Zeichner und Buchillustrator, Maler Gunther Böhmer und wir haben Projekte der Zusammenarbeit, auch mit der Indischen Botschaft. Wir haben diese internationale Veranstaltungsreihe bereits im November 2001 in Indien eröffnet. Für uns war sehr beeindruckend, dass wenige Wochen nach diesem 11. September die Menschen auch in diesem Indien, Südindien, in Kerala auch bei uns nichts anderes so sehr beschäftigt hat, wie die Frage: Wie können wir zu einer Toleranz der Menschen verschiedener Kulturen kommen. Und wir haben diese Erfahrung auch im Kleinen machen können: Als die Menschen dort die Muslime, Hindus, Buddhisten genauso die Kontakte suchen, die Beschäftigung mit Menschen anderer Mentalität, anderer Herkunft und wir haben im Kleinen die Erfahrung gemacht, dass dies ein Weg ist für Frieden, Toleranz, Verständigung zu kommen und es freut uns, dass es uns gelungen ist mit wichtigen Partnern auch verschiedene andere Veranstaltungsprojekte innerhalb Europas - heute Abend ist eine weitere Ausstellungseröffnung zeitgleich in Budapest - es wird im Herbst ein Ausstellungsprojekt in Brüssel geben, in Rom und Paris aber wir wollen Sie natürlich, wenn Sie Interesse haben, sehr herzlich nach Calw einladen. Wir haben in der Zeit von Ende Juni, bis Ende August etwa 230 Festivalveranstaltungen bei uns in Calw, die sich mit dem Werk Hesses auseinandersetzen, die aber auch musikalische Projekte beinhalten - eine Uraufführung über Siddhartha und vieles andere. Sie können sich im Internet informieren, es liegen einige Veranstaltungsbroschüren aus.

Heute ist die Ausstellungseröffnung zu dem Thema Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos, deshalb freue ich mich, dass ich jetzt dieses Podium freimachen kann für Herrn Schlensog, der Ihnen diese Ausstellung des heutigen Abends näher erläutern wird. Ich bedanke mich sehr für Ihre Aufmerksamkeit.