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Begrüßung zur Eröffnung der Ausstellung WeltFlechtWerk – Die Einheit hinter den Gegensätzen
- im Kulturforum Berlin |
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Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter, lieber Herr Spec, meine sehr verehrten Damen und Herren, wir baden heute in Hermann Hesse und ich darf Sie begrüßen als Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin hier am Kulturforum zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung WeltFlechtWerk - Die Einheit hinter den Gegensätzen und Sie werden sich fragen, was macht der Dichter im Kunstmuseum? Die Antwort ist relativ einfach: Die Staatlichen Museen zu Berlin sind ja Teil der großen Stiftung Preußischer Kulturbesitz und zu dieser großen Stiftung Preussischer Kulturbesitz - das geistige Erbe des untergegangenen Preussens, gehört auf der anderen Seite die Staatsbibliothek, also wir sind ganz am richtigen Ort Und zum anderen verstehen sich die Staatlichen Museen zu Berlin natürlich als das große Weltmuseum, das alle Kulturen und Künste der Welt aus allen Zeiten und Räumen sind in diesen Museen vereint sozusagen die Konkordia Diskors, das Thema der Ausstellung ist auch das Thema dieser Museen, zugleich verstehen wir uns auch als Konkordia Diskors insofern, als wir ja als Kultureinrichtung die große, die größte nationale Kultureinrichtung sind, die von allen Ländern und vom Bund gemeinsam getragen wird, und wir verstehen uns immer so, das wir der Ort sind, wo die Länder ihren kulturellen Auftritt in der Hauptstadt haben. Sie sehen zum Beispiel gerade in der Gemäldegalerie in der Gemäldegalerie Bayern mit einer Ausstellung zu Rembrands Selbstbildnis, Sie sehen drüben im Kunstgewerbemuseum Nordrheinwestfalen mit dem Auftritt des Schnüttgen Museums und Baden-Württemberg mit Hermann Hesse, dem WeltFlechtWerk - die Einheit hinter den Gegensätzen, hier im Kulturforum. Von daher wir sind hier völlig am richtigen Platz und der Platz ist natürlich auch so gewählt, dass er das Thema unendlich verschärft. Es ist das urbane Berlin mit all seinen Beschleunigungen, des Potsdamer Platzes und dann hier am Kulturforum die meditierende Verlangsamung durch die Betrachtung von Kunst und Kultur und von daher zeigt dieser Platz gewissermaßen auch das Thema der Ausstellung dieses Leitmotiv des literarischen Werkes und des Lebens von Hermann Hesse sozusagen der Mensch als Wanderer zwischen zwei Wegen - homo viator in vivio - als Thema dieser Ausstellung Hesse und sein enzyklopädischer Weltausblick und nichts entspricht diesem so sehr, wie eben das Kulturforum hier an diesem Platz. Der Ort verschärft das Thema noch in so fern als wirklich mit dem Potsdamer Platz diese Rapidität wie wir auch schon in den Reden gehört haben dieser Zivilisation in all ihrer Schnelligkeit und dann dem gegenüber das Kulturforum als diese Ort der Meditation, dieses Doppelherz von Berlin vita aktiva am Potsdamer Platz und die vita contemplativa am Kulturforum, aber die vita contemplativa wollen wir nicht übertreiben Sie haben gesehen beim heraufgehen der Piazetta, wie sich Zeppelin gleich die Visualität vom Boden erhebt und wir haben ständig Hesse-Programm und wenn Sie durch die Ausstellung geeilt sind und ganz schnell noch einen Happen genommen haben, dann sehen Sie draussen um 22:15 Uhr den Film "Siddhartha". Sie werden hier weiter sehen Easy Rider, Steppenwolf all das und dann in der Matthäikirche immer wieder Vorträge, Reflexionen auf diesen religiösen und philosophischen Hintergrund von Hermann Hesse. Unser Hermann Hesse Programm ist nicht so dick wie das in Calw aber es ist doch sehr sehr eindrücklich und sehr sehr erstaunlich für dieses ganz anders lebendige Berlin einen so philosophischen Dichter so sehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stellen. Dieses Hermann Hesse am Kulturforum ist von daher das zentrale Thema und lange bevor Calw den Festtag wird feiern können, wird Hermann Hesse in Berlin Gegenstand sein. Ich komme nun zum Ort mit einer biografischen Notiz. Die Wahl des Ortes hat bei mir eine biografisches Notiz. Ich muss sagen der Wunsch der Calwer, unsere lieben Gäste aus Calw das in Berlin im urbanen Herz von Berlin zu zeigen, hat sich bei mir doch irgendwo zu einer gewissen Nachdenklichkeit ßßß ich fand es einen kühnen Risikobereitschaft und wir wissen ja, dass Hermann Hesse mit den Städten doch eine gewisse Zurückhaltung hatte. Es gibt diesen sehr schönen Text von Hermann Hesse: Die Nürnberger Reise von 1927. Hermann Hesse reist aus dem Tessin nach Augsburg und dann nach Nürnberg und wir denken eigentlich das sind doch so schöne Städte und er findet sie entsetzlich und was er über Nürnberg schreibt: "Alles war sehr schön in Nürnberg, aber alles war umbaut von einer großen, lieblosen, öden Geschäftsstadt war umknattert von Motoren, umschlängelt von Automobilen, alles zitterte leise unter dem Tempo einer anderen Zeit, die keine Netzgewölbe mehr baut und keine Brunnen hold wie Blumen in stille Höfe hinauszustellen weiss." Es ist ein Hauch von Zivilisationskritik schon bei Nürnberg und von daher muss man sagen das ist natürlich ein Risiko mit Hesse und Berlin. Ich muss gestehen ich habe diesen Text von Hesse auf einer Reise in Nürnberg gelesen als ich damals Kurator am Germanischen Nationalmuseum war. Und Sie ahnen natürlich - ich bin auch in Calw geboren und zehn Jahre Hirsau - das ist nicht weit weg von Calw. Und von daher die Frage: Was war mir eigentlich Hermann Hesse? Hermann Hesse - das ist immer so etwas für jemanden der dort geboren ist - so ein Motiv auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Immer Hermann Hesse auf der Suche nach der verlorenen Zeit und zugleich war er auch schon ganz früh und das haben wir auch gehört in diesen Vorträgen heute, so eine Legitimationsfigur für alle Krisen die man selbst hatte, die man haben konnte durch die künstlerische Existenz. Hermann Hesse hat es legitimiert, dass wir Krisen haben dürfen - in Calw und anderswo - ganz extensiv "Sei Du selbst" dieses Motto und von daher, man lebt mit Hermann Hesse und zugleich liefert Hermann Hesse für mich und in meiner Erinnerung den Innenblick auf die Welthaftigkeit, dieses abgelegenen Tales, dieses Nagoldtales. Sie kennen alle, oder sollten kennen die Calwer Companie eine der ganz großen Handelsgesellschaften die es früher gegeben hat. Wenn Sie in Amsterdam sind die Hauptstraße mit all den Geschäften ist die Calwer Straat. Calw im Schwarzwald - Sie kennen Hirsau, das Kloster Hirsau mit seinem europäischen Reformkloster Cluny 2 alles baut nach Hirsau, Sie kennen die Calwer Mission - der Herr Bundespräsident hat schon gesagt, kein Calw ohne Liebenzell, der Pietismus der in die Welt eilt, und Sie kennen natürlich die Firma Perrot internationaler Rednerbau - alles aus Calw. Von daher Hesse ist wirklich so etwas wie ein biografisches Muster und es geht bei einer württembergischen Biografie immer weiter - man studiert in Tübingen, Heckenhauer, man hat Verwandte, die auch im Stift sind, man hat Verwandte, die Ephorus im Stift sind und so begleitet einen der Hesse ein ganzes Leben Und was einem dann auffällt - Hesse einerseits als biografische Figur und zugleich diese internationale Figur deutscher Geistigkeit - der meistgelesene deutschsprachige Autor, der Kultautor der 60ger Jahre ganz international und damit zugleich sollte man nicht vergessen auch der Finanzier jener deutschen Buchkultur die wir die Suhrkamp-Kultur nennen, dank Siegfried Unseld, der über Hermann Hesse bei Friedrich Weiss, einem Tübinger bei dem er übrigens auch promoviert hat und im Suhrkamp-Verlag hat die verkauften Zahlen von Hermann Hesse hat all das finanziert: Adorno, Max Horckheimer all das wäre ohne Hermann Hesse im deutschen Buchhandel überhaupt nicht so erschienen. Dazu kommt das Max Horckheimer seine sozialen Krisen in Hirsau hatte, als Fabrikbesitzersohn in der Bleiche von Hirsau. Sie sehen wie die Dinge ineinander gehen und von daher ist das sehr, sind es Calwer Erfahrungen, die mich so sehr entzückt haben, dieses Ausstellungsvorhaben hier zu verwirklichen, da habe ich einen ganz persönlichen Grund: ganz herzlich zu danken, Ihnen Herrn Oberbürgermeister Spec und Herrn Prof. Rothfuss und Herrn Meier-Dallach, dass Sie uns dieses verlockende Angebot gemacht haben uns diese Ausstellung hier zu zeigen. Sie ist ja das Werk von Herrn Meier-Dallach und all denen, die an seiner Seite waren. Man kann das formulieren ZKM, das sagt gar nicht so viel, das ist Karlsruhe, das ist das neue Medienbauhaus das sich Baden-Württemberg leistet. Wir sind in voller Bewunderung und Sie werden sehen, wie großartig die Ausstellung ist. Dann gehen Sie durch die Ausstellung, wenn Herr Meier-Dallach Ihnen das kurz erläutert hat und dann geniessen Sie den Abend und dann gehen Sie aus diesem Kulturforum und sehen draussen den Film "Siddhartha" nach Hermann Hesse. Damit sehen Sie Berlin ganz im Zeichen von Hermann Hesse. |
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