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Ausstellungseröffnung Gomes 21.06.02 |
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Weitere Texte zu Veranstaltungen am 21.06.2002 Weitere Texte von Dr. Klaus-Peter Hartmann Weitere Texte zum Thema "Über Hermann Hesse" |
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Exzellenz, meine sehr geehrte Damen und Herren, es ist sicherlich nicht ungewöhnlich, ein zu haltendes Grußwort mit einem Zitat einzuleiten. Ungewöhnlich ist es allerdings, ein für den Ort des Geschehens negatives, ja düsteres Bild hervorzurufen. Doch gestatten Sie mir, als didaktisches Mittel - und das ist hier im Hause am Platze - hierfür Hermann Hesses Worte aus seiner "Erinnerung an Hans" aus dem Jahre 1936 dafür zu verwenden. Ich zitiere: In der Schule "Die Lateinschule, welche auch mir viele Konflikte gebrachte hatte, wurde für [meinen Bruder] Hans mit der Zeit zur Tragödie [...] Es sind mehrere recht schlechte Lehrer dagewesen, und einer von ihnen, ein richtiger kleiner Teufel, hat ihn bis zur Verzweiflung gequält. Dieser Mann hatte unter anderen bösen Gewohnheiten die, daß er sich beim Abfragen dicht und drohend vor dem Schüler aufstellte, ihn mit schrecklichem Richtergesicht anbrüllte und dann, wenn der verängstigte Schüler natürlich versagte und ins Stottern geriet, seine Frage viele Male wiederholte, in einem rhythmischen Singsang, und dazu im Takt mit seinem eisernen Hausschlüssel auf des Schülers Kopf losschlug. Ich weiß aus späteren Erzählungen meines Bruders, daß dieser böse kleine Tyrann mit seinem Hausschlüssel zwei Jahre lang den kleinen Hans nicht nur Tag für Tag, sondern oft auch bis in die Angstträume der Nacht hinein gepeinigt hat." [Hesse. Erinnerungen an Hans. GW 10, S. 211f]
Inzwischen sind die Zeitläufe über dieses genannte Haus der "Alten Lateinschule" gegangen, Menschen, Institutionen haben gewechselt, wurden abgelöst, und die erwähnten Begebenheiten erlebten die Metamorphose zur Geschichte und literarischem Zeugnis. Rhetorische Frage: kann ein derartiges Haus, in dem junge Menschen Angst und Bedrückung erfuhren, gequält und gepeinigt wurden sich tatsächlich eignen zu dieser Ausstellung, welche ja Weite des Denkens, Humanität und Toleranz, Grenzüberschreitungen und metaphysische Anklänge in sich birgt und vermitteln will? Seit 17 Jahren ist die Alte Lateinschule das Haus der Calwer Volkshochschule. Und gerade sie weiß sich in Calw und der Region in dem Anspruch, Begegnungen mit anderen Menschen zu ermöglichen, mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen, ihren Meinungen. Sie ist damit den demokratischen und humanen Traditionen der Gesellschaft verpflichtet. Sie trägt zur Bewältigung von Problemen des Zusammenlebens bei, fordert das Gemeinwohl, wirkt politisch und sozial und stärkt damit die Fähigkeit zur Mitwirkung und Mitbestimmung, zur Solidarität und Toleranz in einer aktiven Bürgergesellschaft. Also Synthese: gerade dieses Haus, reich an Geschichte und voll von mutmachenden Signalen für Gegenwart und Zukunft ist mit seiner VHS-Einrichtung der geeignete Ort für diese Ausstellung. Als Begegnungsstätte und Forum möchte sie ja, zusammen mit unserem Gemeinwesen verpflichteten Menschen, Institutionen und Gruppierungen den Dreischritt von der "nackten" Information zum differenzierenden Wissen und zur wertenden Bildung bewältigen. Nicht zuletzt deswegen steht sie offen für grenzüberschreitendes, globales Denken und lokales Handeln im Sinne der Überwindung inhumaner Maximen. Es kann hier nicht der Ort sein, all die Weltanschauungen, Ideen und Meinungen, Religionen und Konfessionen, Minderheiten und Ausgegrenzte zu benennen, die sich in diesem Hause begegneten und begegnen. Und "Begegnung" mit dem anderen, d.h. mit anderem Denken, mit anderen Menschen ist wesentliche Intention dieser Ausstellung. Dafür ist das Haus offen, dafür sind wir dankbar und darauf sind wir gespannt. Somit darf ich Sie zu dieser Ausstellungseröffnung, - mit dem richtigen und wichtigen Thema am richtigen Ort - herzlich willkommen heißen. Insbesondere Sie, sehr geehrter Herr Botschafter Casie Chetty von Sri Lanka und Ihre verehrte Gattin, Herr Stadtrat Karl Weiss, Herr Henry Müller und Gattin und Sie alle, Gäste, Interessierte, Freunde. Ich bedanke mich bei meinem Freund Jayantha und seiner lieben Frau Gertrud, sowie bei allen Mitarbeitern und Freunden, die diese Ausstellung ermöglicht haben. Wenn es eines formalen Satzes bedarf, so erlaube ich mir als Quasi-Hausherr die Ausstellung hiermit zu eröffnen, und ich bin fest davon überzeugt: In gleichem Maße, wie die Philosophie der gegenwärtigen Bildungseinrichtung hier das Lehren und Lernen des vorletzten und letzten Jahrhunderts überholt hat- ich erinnere an das eingangs gesetzte Zitat- so tragen die Inhalte der Ausstellung auch bei zur Überwindung alten Denkens, irrationaler Ängste, leichtfertiger Vorurteile und dumpfer Intoleranz. Nicht nur der Verstand, auch die Seele freut sich hier auf die Wahrnehmung der von Hermann Hesse so formulierten ,,Einheit hinter der Vielheit". Ich danke Ihnen. 21 -Juni-2002
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© 2003 Stadt Calw - Impressum - HesseStadtCalw.de - Letzte Änderung: 14.08.2003 |
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