Ausstellungseröffnung "Reaktions-Bilder" durch Reinhold Wohlleben
Künstlerinnen und Künstler reagieren auf zwei Porträts von Hermann Hesse
im Landratsamt Calw am 27. Juni 2002

 
 

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Weitere Texte zu Veranstaltungen am 27.06.2002

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Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kunst-Hesse-Gemeinde!

"Warum reagieren Sie so?", könnte ich Sie jetzt fragen, "weshalb verleihen Sie Ihrer Mimik, Gestik, Ihrer Sprache in bestimmten Situationen einen besonderen, manchmal nicht immer sehr angenehmen Ausdruck?" Weshalb reagieren Künstlerinnen und Künstler auf zwei Porträts von Hermann Hesse so, wie Sie dies bei der Begegnung mit dem breitbunten Spektrum dieser Ausstellung erfahren.

Eine Frage, die sich geradezu aufdrängt, registriert man einerseits die Ähnlichkeiten mancher Bildauffassungen, andererseits aber auch die starken Pole, die Bild und Ausdruck gewordenen Kontraste. Hier die, sagen wir, auf einige Jahrhunderte Malerei zurück zu beziehenden, konventionelleren Lösungen, die minutiös in Öl oder Acryl erfasste Physiognomie Hesses, daneben die dynamischer Pinselspur großzügiger begriffenen expressiveren Leinwände, die subjektive Farbgebung betonend. Dort die Be- und Über- und Verarbeitungen der vorgegebenen zwei schwarzweiß gedruckten Porträts Hermann Hesses, womit wir über

die Idee, die Konzeption der Ausstellung

sprechen.

Frühjahr 2001, der Gebärzeitraum vieler Programmideen zu und um Hermann Hesse, zum Hesse-Festival. Der Arbeitskreis Kunst, eine Gruppe kultur- und kunstinteressierter Bürgerinnen und Bürger dieser vermutlich fast weltbedeutend gewordenen Kleinstadt, hatte sich konstituiert und bemühte sich engagiert um die Entwicklung möglicher Aktionen, Aktivitäten, künstlerische Impulse eben. Von diesen so entstandenen 6 Projekten dürfen wir mit dieser Ausstellung bereits das Dritte der Calwer Öffentlichkeit vorstellen.

Die fotografischen Zeugnisse des Literatur-Nobel-Preisträgers sind zahlreich, zeigen ihn in normalen, vielleicht menschlichen, aber auch häufig in selbstgefälligen Posen - wenn Sie mir diese kleine Despektierlichkeit erlauben. Unsere Wahl fiel auf eine Aufnahme aus dem Jahr 1955 und zeigt ihn in seiner Bibliothek in Montagnola, die zweite dokumentiert die Naturnähe Hesses und zeigt ihn im Garten sitzend.

Dank einer fruchtbaren Kooperation mit der Hochschule für Druck und Medien Stuttgart konnte die Umsetzung der Vorlagen in ca. 82 x 60 cm große Plakate in bester Qualität budgetschonend realisiert werden. Herzlichen Dank an die Adresse von Herrn Prof. Ipsen, der das Projekt koordiniert und an Herrn Kökert, Laboringenieur für Offsettechnik, der mit seinen Studenten den Druck durchführte.

Diese beiden Porträts wurden zunächst als einladende Bitte zur Teilnahme an ausgewählte Künstlerinnen und Künstler verschickt, unter anderem auch an die Damen und Herren Professoren der beiden baden-württembergischen Kunstakademien, und wir freuen uns, dass das württembergische Haus uns mit einigen Teilnahmen beehrt, das badische allerdings nicht, was wir ausdrücklich bedauern. Darüber hinaus publizierte der Berufsverband Bildender Künstler Deutschland in seiner Verbandszeitschrift die Ausschreibung der Reaktions-Bild-Aktion bundesweit, worauf uns etwa 200 Anfragen zur Bearbeitung erreichten. Der Zeitschrift Atelier unterlief ein redaktionelles Missgeschick und wies ihre Leser/innen erst Mitte Mai auf das Projekt hin, allerdings hatten wir da bereits Einsendeschluss. Inzwischen sind meine Töchter perfekt ausgebildete Telefonistinnen, da uns weitere geschätzte 150 meist fernmündliche Interessenbekundungen erreichten, denen wir eine Absage erteilen mussten.

Fazit: Das Interesse war, obwohl es nichts zu gewinnen gab, keine Prämierungen in Aussicht gestellt wurden mit über 350 gewillten Teilnehmern riesengroß.

Die jetzt Beteiligten sind nicht nur in Württemberg ansässig, auch in Baden, haben ihr Arbeitsfeld in Hamburg, Berlin, Rostock, in Thüringen und Sachsen und anderen Bundesländern, leben und wirken in Österreich, in Italien, in Schweden und Lettland, stammen aus Tschechien, Rumänien, Russland, aus Korea, China und Bolivien.

Viele, nicht alle, sind heute Abend hier zu Gast und auch ich darf Sie herzlich willkommen heißen und danke Ihnen stellvertretend für alle an der Ausstellung beteiligten Künstlerinnen und Künstler, für Ihren künstlerischen Beitrag.

Die Ausstellung

Fragen Sie uns bitte nicht, warum das eine Bild so hängt, die eine Installation zu jener Plastik so gruppiert wurde und eine Bildfolge ausgerechnet die vorzufindende Einrichtung fand. Ein 6-köpfiges Team überlegte, diskutierte, arrangierte, stellte und hängte über fünf Tage lang, bis alle Exponate ihren Präsentationsort gefunden hatten, und ich möchte mich für diese Marathonleistung bei den Damen Irmhild Mannsfeld, Brigitte Radermayer und den Herren Haase, Roth, Späth und Würtenberger ganz herzlich bedanken.

Die Ausstellung ist geprägt von einem breiten gestalterischen Spektrum, von einer großen Vielfalt realisierter Umsetzungsideen, von den eingangs erwähnten Porträts über die in unterschiedlichster Weise überdruckten, überzeichneten, überschriebenen, beklebten, zerlegten und neu zusammengesetzten Porträtplakaten, bis hin zu ihrer plastisch-räumlichen Verwendung als Wandbild, Plastik, Objekt oder Installation. Formalästhetisch begriffene Lösungen sind dabei genauso vertreten wie inhaltlich vertiefende, die Person, den Menschen Hermann Hesse und sein literarisches Schaffen behandelnde Kreationen, manche dokumentieren, andere verherrlichen, einige ironisieren oder kritisieren den in unserer Stadt nicht mehr übersehbaren Personenkult.

Die Ausstellung ist dadurch interessant, bunt und wie ich finde, unterhaltend kurzweilig, Spaß und Freude sind beim Besuch dieser Präsentation gestattet und sie bietet jedem die Möglichkeit, wollte man schon immer seinen Hesse, vielleicht auch einen besonderen Hesse in seinen Wohnräumen beherbergen, ihn endlich in selbstgewählter passender Form nach Hause zu holen. Fast alle Werke sind käuflich erwerbbar, Reservierungen nehmen die Damen am Info-Stand gerne entgegen.

Die Dokumentation

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, ein Kooperationsprojekt zwischen Ausstellenden und Ausstellungsorganisatoren, das mit knapp drei Wochen Entstehungszeit von der ersten gestalteten Seite bis zur gebundenen Auslieferung etwas riskant schien, zumal die digitale Aufbereitung von Katalogdaten noch längst nicht in alle Künstlerateliers Einzug gehalten hat. So ist auf der Basis einer knappen Kalkulation und der Mitwirkung aller Beteiligten eine Dokumentation entstanden, die nicht alle Exponate aufnimmt, auch keine Hochglanzbroschüre sein will, sondern ein Erinnerungsstück an eine wahrscheinlich einmalige Ausstellung.

In diesem Sinne darf ich mich zum Schluss meiner eher beschreibenden als tief in Hesse-Inhalte eintauchenden Einführung mit einem Dankeschön an den Gastgeber der heutigen Veranstaltung wenden, (und möchte den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern, die wir ja nicht alle kennen, eine Reaktions-Künstler-Marke zur möglichen Identifizierung anbieten) und darf Sie alle herzlich bitten, von den ausliegenden Glückwunschkarten heftigsten Gebrauch zu machen, schreiben und gestalten Sie einen Glückwunsch an Hermann Hesse, nehmen Sie für sich und andere einige mit, wir würden uns auf eine Rücksendung freuen.

Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen, interessanten Abend.