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Tellicherry |
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Tellicherry ist eine kleine Stadt an der Küste Malabars. Der Name 'Tellicherry' ist die englische Version des örtlichen Namens 'Thala cheri', wobei 'Thala' 'Kopf' und 'cheri' 'Dorf' bedeutet. Vielleicht war sie eine bedeutende Küstenstadt vergangener Zeiten. Die Geschichte dieser lange vergangenen Tage wurde nie aufgezeichnet, sodass alles, was mit diesem Namen zusammen hängt, Legende ist. Reisende wie Marco Polo, Ibn Bathutha und viele andere haben uns dennoch Einblicke in die Vergangenheit gewährt. Gesegnet von der reichen Schönheit der Natur, gründete sich Tellicherry auf sieben bewaldeten Hügeln, zwischen die sich sieben Flüsse winden, die schließlich ins arabische Meer münden. Die lange Küstenlinie wird von einer langen Felsenkette geschützt, die eine natürliche Bucht bildet. Dies war das Bild Tellicherrys, welches die handeltreibenden Seefahrer, die aus der ganzen Welt kamen, vor mehr als tausend Jahren sahen. Wohlstand des Landes, Handel und Lebensweise Schon vor langer Zeit brachte der 'schwarze Diamant', der in vielen Teilen der Welt als 'Tellicherry-Pfeffer' bekannt ist, Wohlstand in dieses Land. Der feinste Pfeffer der Welt wurde im Hinterland Tellicherrys angebaut. Viel später, im 18. Jahrhundert wurde Pfeffer auch in anderen Ländern angebaut. Da der Anbau sehr wenig Aufwand brauchte, war der Pfeffer ein beliebtes Handelsmittel gegen Reis und andere Konsumgüter, welche von Seeleuten aus den benachbarten Ländern herangeschifft wurden. Nahrung war reichlich vorhanden. Bananenbäume und Ananasstauden wuchsen fast natürlich ohne viel Aufwand. Kokosnussbäume gehörten zu den wichtigsten Pflanzen. Das Meer und die Flüsse brachten die feinsten Muscheln hervor, die man dort als 'Früchte der Felsen' bezeichnete. Diese waren auch beliebte Zutaten der lokalen Küche. Austern, gesammelt an Flussmündungen, Riesengarnelen, die in Salzwasserfeldern gediehen, und Krabben aller erdenklicher Arten sowie eine große Fischvielfalt im Meer, machten das Leben leicht und angenehm. Schwere Arbeit war nicht notwendig. Friede herrschte überall. Die Familien lebten in abgesonderten Häusern in ihrem eigenen kleinen Verbund, waren selbstständig und zufrieden. Händler kamen in Segelbooten aus verschiedenen Ländern, von China im Osten bis hin zu Griechenland im Westen, um Pfeffer, Kardamom und andere Gewürze zu kaufen. Der Handel stand im Zeichen des freien Wettbewerbs. Die Menschen aus Tellicherry wurden, wie viele andere an den Küsten, von Menschen verschiedenster Länder, Religionen, Sprachen und Kulturen beeinflusst. Dies zeigt sich sogar noch in der heutigen Generation, in der viele Menschen ihr Heimatland verlassen und denen es leicht fällt, in fremden Ländern zu leben und zu arbeiten. Ankunft der Kolonialherren und erste Siedlungen der Briten Jahrhunderte vergingen. Die industrielle Revolution im Westen veränderte die Welt. Die Bedürfnisse der Monarchen, sich weit auszubreiten, wurden durch den Abenteuergeist jugendhafter Seemänner erfüllt, die auf der Suche nach Wohlstand die Meere überquerten. Sie stachen auf ihren Schiffen in See, angezogen von den Gewürzen dieses Landes, so wie es schon ihre Vorväter taten. Einen Unterschied gab es dennoch: Sie waren nun mit Kanonen bewaffnet und ihr Ziel war das Handelsmonopol, die Eroberung und Ausbeutung des Landes. Viele Länder scheiterten in ihrem Abenteuer. Nur die Briten konnten in Tellicherry Fuß fassen und später das Land erobern. Sie blieben und regierten das Land für 2 Jahrhunderte. Die 'British East India Company' gründete 1683 auch eine Handelsniederlassung in Tellicherry, um den Pfeffer- und Kardamomhandel zu sichern. Durch Diplomatie, Taktgefühl und indem sie die Oberhäupter gegeneinander ausspielten, erhielt die Gesellschaft zwischen 1708 und 1761 von den Oberhäuptern nicht nur Land in Tellicherry, sondern auch wichtige Privilegien, wie z.B. in den ihnen zugesprochenen Gebieten Zölle einzubehalten und die Verwaltung übernehmen zu dürfen. Dies war der Beginn eines Weltreiches. Diejenigen die kamen, um zu handeln, blieben, um das Land zu regieren und auszubeuten. Hyder Ali von Mysore viel in Malabar ein und in der Zeit zwischen 1779 und 1782 die Angelegenheiten der Gesellschaft unter Kontrolle. Um die Gesellschaft zu schützen, etablierte Bombay (heute Mumbai) einen Militärstützpunkt in Tellicherry. Von hier aus konnten sie über die Bergkette operieren und sich gegen einige der ersten Freiheitskämpfer des Landes, Pazhashi Raja, Hyder Ali und seinen Sohn Tippu, verteidigen. Nachdem diese niedergeschlagen wurden, richtete die Gesellschaft ihre Verwaltung mit dem Vorsteher Nord-Malabars sowie dem provinziellen Gerichtshof in Tellicherry ein. Es versteht sich von selbst, dass eine solche Verwaltung keinerlei Vorstellungen, Versuche oder Pläne entwickelte, um etwas für den Wohlstand des Volkes zu tun. Die britische Regierung übernahm das Land von ihrer 'East India Company' im Jahre 1858. Dies wurde so durchgeführt, um Gesetz und Recht in ihre Hände zu bekommen und um die Einbehaltung der Rohstoffe und den Export in ihr Land zu gewährleisten. Menschliches Wohlergehen und Entwicklungshilfe lagen ihnen nicht am Herzen. Deutscher Einfluss in Tellicherry Diese Lücke wurde durch die Basler Mission unter der Initiative und Führung von Dr. Hermann Gundert, des deutschen Missionars, geschlossen. Sein Beitrag zur Bildung der Bevölkerung Tellicherrys sowie zur Entwicklung der Malayalam-Sprache und -Literatur, des Journalismus und der Übersetzungen aus anderen Sprachen war einzigartig. Die zwanzig Jahre, die er zwischen 1839 und 1859 in Tellicherry und den umliegenden Gebieten, und mit einigen Unterbrechungen in Deutschland, verbrachte, trugen wesentlich dazu bei, unsere Sprache, Literatur und die Einführung moderner Bildungsstätten zu fördern und zu bereichern. Ein Missionar aus dem Gebiet Tamil hatte die erste moderne Bildungsstätte Tellicherrys im Jahre 1817 ins Leben gerufen. 1839 wurde diese an Dr. Gundert übergeben. Gleichzeitig hatten er und seine Frau auf ihrer eigenen Veranda begonnen, junge Kinder aus unterprivilegierten Familien, denen eine Ausbildung verweigert wurde, zu unterrichten. Dr. Gundert schrieb das erst Malayalam-Buch für Kinder. Es war höchst ungewöhnlich für die britische Verwaltung, einen Deutschen, Dr. Hermann Gundert, für den Posten des ersten Schulaufsichtsbeamten zu berufen. Zu dieser Zeit wurden Schulen von Missionaren geführt. Von Beginn des frühen 19. Jahrhunderts an wurde Tellicherry auf Grund der Missionare zu einem der führenden Bildungszentren. Auch Edward Brennen, ein Engländer der am Strand Tellicherrys schiffbrüchig wurde, machte die Stadt zu seinem Zuhause. Er verwendete all seine Ersparnisse um im Jahre 1860 die kostenlose Brennen-Schule zu errichten, die viel später von der Regierung übernommen wurde und die heute als 'Government Brennen College' fortbesteht. Trotzdem kann Dr. Gundert als die wichtigste Person dieses Bereiches angesehen werden, da er den Grundstock für die Entwicklung eines modernen Bildungssystems in Tellicherry legte. Die Ära Gundert in Tellicherry Dr. Gundert verfasste ein hervorragendes Malayalam – Englisch Wörterbuch, eine Malayalam-Grammatik, eine Übersetzung der Bibel sowie den Übertrag eines buddhistischen Werkes eines alten Mönches aus dem Sanskrit in das Malayalam und viele andere Übersetzungen und Sprichwortsammlungen, alles in allem über fünfzig Bücher. Er druckte und veröffentlichte ebenso die erste Zeitung Tellicherrys. Mit all diesen Aktivitäten scheint er eine Ära des literarischen Wirkens hervorgerufen zu haben. Wir finden hier ein Aufleben der literarischen Aktivitäten, denen bald das ganze Land folgte. Tellicherry brachte dann die ersten Romanciers, Kurzgeschichtsschreiber, Humoristen und Kritiker hervor. Als Dr. Gundert den ersten Malayalam-Roman, 'Indhulekha' von Chandu Menon, erhielt, las er ihn und schrieb zurück: "Ich habe in diesem Buch zehn neue Wörter gelernt, diese muss ich dringend noch in das Wörterbuch aufnehmen." Dies könnte man als die Ära Gundert bezeichnen. Tellicherry wird stets dankbar sein, einen solch großartigen Missionar, der ein Linguist, Humanist und Förderer der Bildung war, genossen zu haben. Religiöse Toleranz Religiöse Toleranz war bei den Menschen Tellicherrys immer selbstverständlich. Einige der ältesten Hindutempel, begleitet von jahrhundertealten muslimischen Moscheen und modernen christlichen Kirchen unterschiedlicher Konfessionen haben von jeher Seite an Seite bestanden. Doch die Basler Mission erreichte etwas, was anderen Konfessionen verwehrt blieb. Indem Ehen zwischen Personen unterschiedlicher Schichten erlaubt und die Menschen darauf vorbereitet wurden, jedes Gewerbe und jeden Beruf antreten zu können, verschwand das angestammte Stigma der Kasten, das einem bestimmten Beruf anhing. Sri Narayan Guru, der große religiöse und soziale Reformator Keralas war es, der den Tempel Tellicherrys einweihte und verkündete: "Eine Kaste, eine Religion und ein Gott für die Menschheit.". "Die Essenz aller Religionen ist die gleiche", sagte er und fügte hinzu: "Welche Religion ein Mensch auch immer annimmt, er hat gut zu sein." Dies alles führte zu einer Vermischung von religiösen Gedanken und harmonischem Leben. Kriegskunst, Zirkus und Spiele Es gab nicht nur Bildung, Religion und Literatur in Tellicherry. Wie in vielen anderen Teilen Keralas hatte Tellicherry ein uraltes System der Kriegskunst, das sich 'Kalari Payattu' nannte. Fast jeder junge Mann und sogar einige junge Mädchen durchliefen diese harte, strenge körperliche Schulung. Nach vielen Jahrhunderten mit dieser Tradition erschien ein ausgezeichneter Lehrer des 'Kalari Payattu' in Tellicherry. Während der letzten Jahre des 19. Jahrhunderts beobachtete Keeleri Kunhi Kannan britische Soldaten bei ihren Sportübungen. Er eröffnete seine eigene Sportschule und schulte von nun an Zirkusartisten. Seine Schüler wurden in vielen Zirkussen Indiens und in Übersee beschäftigt. Einer seiner Schüler, Kannan Bombayo, trat in den 1920er Jahren in Deutschland auf. Er wurde als der "Springende Teufel Indiens" bekannt. Prof. Keeleri wird als der Vater des indischen Zirkus bezeichnet. Die 'Basel German Mission Parsi School' (später evangelisch) errichtete die erste moderne Sportschule in Tellicherry, Keeleri war dort der erste Lehrer und viele Jahrzehnte dort tätig. Er unterrichte auch meinen Vater und mich im Turnen. Körperliche Aktivitäten und Sport liegen der Jugend Tellicherrys und seiner Vororte im Blut. Als der britische Befehlshaber des Militärs, Col. Sir Arthur Wellesley und seine englischen Kollegen in Tellicherry Kricket spielten, war die Jugend völlig in ihrem Element. Erst vor Kurzem haben sie hier zwei Jahrhunderte Kricket gefeiert. Tellicherry im unabhängigen Indien Das unabhängige Indien hat viele Veränderungen und Entwicklungen gesehen. Malayalam sprechende Gebiete wurden zum Staat Kerala vereinigt. Tellicherry hat einen großen Teil seiner Bedeutung verloren, als die nah gelegene Stadt Cannanore zur Hauptstadt ernannt wurde. Dennoch ist Tellicherry immer noch ein kulturelles Zentrum und eine bedeutende Bildungsstätte. Die keralische Regierung tut nun viel für die Bildung und das Gesundheitswesen. Aber auch die privaten Bildungszentren, eingeschlossen diejenigen, die von Missionaren und anderen Gemeinschaften geführt werden, haben zugenommen. Fast alle Einwohner in ganz Kerala können lesen und schreiben. Mit dem verbesserten Gesundheitswesen hat die Säuglingssterblichkeit abgenommen, während die Lebenserwartung gestiegen ist. In der Bevölkerungskontrolle steht Kerala ganz oben auf der Landesliste, zusammen mit dem Nachbarbezirk Tamil Nadu. Die Bildung hat viel zur wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen, dennoch nahm die Arbeitslosigkeit in letzter Zeit zu. Tellicherry platzt aus allen Nähten. Schulen, höhere Lehranstalten und Krankenhäuser finden sich überall am Horizont verteilt während Menschen und Fahrzeuge die engen Straßen verstopfen. Wenn Dr. Gundert heute Tellicherry besuchte, würde er seinen eingeschlagenen Weg nicht vermissen müssen. Die Tempel, Kirchen und Moscheen sind alle da und es sind sogar neue hinzu gekommen. Er wäre glücklich, nach fast jedem Kilometer eine Schule zu sehen. An jeden jungen Mann und jede junge Frau in Tellicherry möchte ich folgendes Wort richten: "Es sind Meilen zu gehen, ehe sie schlafen Murkot Ramunny |
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