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Vortrag Palais Vischer zum
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Weitere Texte zu Veranstaltungen am 20.07.2002 |
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Um das Erscheinungsbild des Gebäudes zu verstehen ist es notwendig sich mit der Bauzeit und der bauzeitlichen Nutzung auseinanderzusetzen. Das Baujahr des Palais läßt sich datieren auf 1787 – 1791 und fällt somit in die Stilepoche des Louis – Seize (ca. 1770 bis 1790). Das Louis- Seize, in Deutschland wegen der vorherrschenden Haarmode auch Zopfstil genannt, kennzeichnet den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. Ausgelöst durch Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum treten antikisierende Formen wieder mehr in den Vordergrund Er bezeichnet vor allem die im Vergleich zum Rokoko stille, wieder streng symmetrische Klarheit von Formen. Der Klassizismus wird eingeleitet durch das Louis- Seize und setzt sich als Biedermeier im gesamten deutschsprachigen Raum durch. Stiltypisch bleiben Eleganz und Leichtigkeit. Schwung und Gegenschwung, sowie Asymmetrien fallen weg. Das Baujahr fällt aber auch in eine Zeit in der die Floß- und Holzhandelscompagnie Calw in voller Blüte stand. Dieser Compagnie, gegründet 1755, stand Johann Martin Vischer II (1751-1801) vor. Vischer II "der Fürsichtige" wie er wegen seiner merkantilen Haltung in Geldgeschäften genannt wurde genoss bei seinen Mitbürgern hohes Ansehen und hinterließ bei seinem Tod immerhin ein Vermögen von 173.00 fl. (Haushaltsvolumen der Stadt Calw 1791 ca. 5.000fl.) Geschäftlich auch im Calwer Handelshaus in Stuttgart tätig, machte er vermutlich die Bekanntschaft mit dessen Architeketen, dem Hofbaumeister von Herzog Carl Eugen, Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer. Von Diesem ließ er sich das Palais als Wohn- und Geschäftshaus bauen. Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer (1746 bis 1813), vermutlich ein illegitimer Sohn des Herzogs Carl Eugen, war einer der wichtigsten Vertreter des Lousi-Seize im süddeutschen Raum. Nach dem Besuch des "Gymnasium illustre" in Stuttgart, tritt Fischer in die Werkstatt des Bildhauers Johann Christoph Friedrich Beyer (auf dem Gebiet der Kleinplastik für die Porzellanmanufaktur Ludwigsburg tätig) ein und lernt seit ca. 1760 beim Hofmaler Nicolas Guibal. Seine Ausbildung zum Architekten erhält Fischer durch Phillipe de la Guipière (Neues Schloß Stuttgart, Monrepos Ludwigsburg, Innenausstattung Schloß Solitude) und wird 1768 zu dessen Nachfolger als Hofbaumeister. Bekannte Bauten Fischers sind das Schloß Hohenheim, Bauten im Garten von Schloß Solitude, das Bärenschlössle in seiner ursprünglichen Form und zahlreiche private Bauten (u.a auch in Calw, Haus Reichert). Wieder zum Palais. Trotz der zwischen steilem Felshang und der Nagold eingezwängten Lage ist der gewählte Standort aus städtebaulicher Sicht ideal für solch ein stattliches Gebäude. Es orientiert sich mit den Wohnräumen nach Südwesten, und kann seine Wirkung durch die einseitige Bebauung an der Bischoffstrasse voll entfalten. Der Grundriss hingegen zollt der eingezwängten Lage Tribut. Fischer wählt im Grundriss die ihm vertraute U- Form, muß aber wegen des rückwärtigen Hangs die beiden Schenkel bis auf Rudimente verkürzen. Der für das Handelshaus unentbehrliche Wirtschaftshof muß neben das Gebäude gelegt werden in dem das Stallgebäude mit Kutscherwohnung stand. (Wie auch in Offiziersstallungen üblich standen hier den Pferden Matratzen zum Schlafen zur Verfügung) Durch diese Anordnung fällt die sonst erforderliche Durchfahrt im Erdgeschoss weg, an diese Stelle tritt ein repräsentativ gedachtes Vestibül, aus dem die Treppe zu den Obergeschossen emporsteigt. (Nicht ganz glücklich, da Treppenhaus und Vestibül getrennt durch den querenden Längsflur im Erdgeschoss werden). Das 3 –geschossige Gebäude zeigt in der Vertikalen den für Fischer bekannten Aufbau. Rustifizierter Unterstock, mit Geschäftsräumen, Kellerräumen und Kutschenremise, darüber die beiden durch eine feine Stuckarchitektur zusammengefassten Wohngeschosse unter einem großen Walmdach. Die Front wird durch das dreiachsige Mittelrisalit, das das Hauptgesims durchbricht und als abgewalmter Zwerchbau endigt, gegliedert. Das Risalit erweist seine Berechtigung im Grundriss. Hinter ihm liegt im Erdgeschoss das Vestibül im 1. und 2. Obergeschoss die dreifenstrigen Salons. Es ist daher auch architektonisch durch eine Lisenengliederung und die stärkere Reliefierung einzelner dekorativer Elemente hervorgehoben. Sehr fein ist die Stukkatur selbst. Sie fasst zwar wie schon gesagt die beiden Wohngeschosse zusammen, kennzeichnet aber gleichzeitig das 1. Obergeschoss als Hauptgeschoss, hinter das der 2. Stock trotz gleicher Fenster- und Raumhöhe zurücktritt. Dies wird erreicht durch die Wahl der Dekorationsmotive und durch das Emporrücken der Stockgurte über die Decke des Hauptgeschosses. Konstruktive Architekturgedanken liefern die Motive: flache Nischen in Bogenstellungen zwischen Lisenen. In den Nischen sitzen die gut proportionierten Fenster mit schmückenden Elementen an Brüstung und Sturz. Elegante Vasen mit Lorbeergehängen und Stoffgirlanden von den Fensterbankkonsolen herabhängend. Im Geschoss darüber wenig profilierte Fensterumrahmungen mit Kartuschen und Blumengewinden sowie glatt aufgesetzte Spiegel. Zur Farbgestaltung der Fassade Für die Fassade des Palais Vischer sind seit der Bauzeit um 1790 alle Farbfassungen belegt, wobei in der Summe 8 Farbfassungszustände auftreten. Als bauzeitliche Farbfassung ist ein Rot-Ocker Konzept befundet, das 3 Farben vorsieht:
In dieser Farbgestaltung erscheint das 1. Obergeschoss räumlich aufgelöst bzw. in der Tiefe gestaffelt, als würden die Fenster hinter einem Arkadengang zurückliegen, während der flächig gehaltene Mittelrisalit weit vor der Fassade zu stehen scheint. Die Architekturfeingliederung (Gewände, Stuckzier) ist dem optischen Gesamteindruck untergeordnet und zeigt keine farbliche Absetzung. Ihre Wirkung erzielt diese durch das Licht- und Schattenspiel der Formen, variierend mit der Beleuchtungssituation. In dieser planmäßig zurückhaltenden Prachtentfaltung erlangt das Bauwerk die beabsichtigte Eleganz und Klarheit, charakteristisch für die Bauten von Fischer und den Stil Louis XVI in Württemberg. Zur Farbgestaltung des Erschließungsbereichs Vestibül und Treppenhaus Die bauzeitliche Gestaltung des Erschließungsbereichs basiert auf der Gliederung der Wandflächen in eine bemalten Brüstungsbereich und einen unifarbenen oberen Wandbereich sowie auf der gleichartigen unifarbenen Fassung aller Decken und Treppenuntersichten ohne farbliche Absetzung von Stuckprofilen oder Spiegelflächen. Befunde für diese bauzeitliche Wandgliederung liegen im Treppenhaus vor. Für das Vestibül wird ein analoges Gestaltungskonzept abgeleitet, gestützt durch architektonische Vorgaben und die zeitgenössische Gestaltung vergleichbarer Objekte. Brüstungsgrundton: helles Blau Bänder: Hellrot, 2 x Bändchen in Ocker wobei die Bänderung an die hellgrau gefassten Gurtbögenverkleidungen stoßen, durch den Absatz sind Höhenvorsprünge möglich. Oberer Wandbereich: Hellgrau Der Hauptsaal im 1. Obergeschoss Der Saal misst ca. 5,5 x7,5 m, wobei die Ecken abgeschrägt sind, um Raum für Ofennischen und zugehörige Heizkammern zu erhalten. Die Wand wird gegliedert durch eine strenge ionische Pilasterordnung auf niederem Sockel mit Zahnschnittgesims ohne Fries. Unter Ausnützung der vollen Raumhöhe für die Ordnung wird eine vornehme Wirkung erzielt. In den Feldern zwischen den Pilastern sind Füllungen in profilierten Rahmen angeordnet, deren Mittelfeld mit Emblemen der Musik verziert sind. An den Fensterpfeilern befinden sich halbrund abgeschlossene Trumeaux in geschnitztem und vergoldetem Rahmenwerk, eingefasst in einem ovalen Medaillon in Lorbeergeranke; vor den Trumeaux zierliche Vorsatztischchen, geschnitzt und vergoldet. Über den Türen und den bogenförmig abgeschlossenen Nischen sind Supraporten mit figürlichen Stuckreliefs angetragen. Die Behandlung der Decke ist die übliche. Aus der Rosette hängt ein mit Glaskristallen und Dukaten behangener Kronleuchter. 6 weitere Beleuchtungskörper in jeder Ecke sorgen für erhöhten Lichterglanz. Die Stuckdekoration ist farbig behandelt. Der Grundton der Wand ist ein leichtes Ockergelb, aus dem die Architekturteile in reinem Weiß hervotreten. Die Gründe der Reliefs, Nischen und Spiegel der Felderfüllungen sind in hellem Blaugrün gefasst. Gold ist nur sehr wenig an den Ornamenten der Spiegel und zur Hervorhebung einzelner Profile der Türen verwendet, das Holzwerk ist weiß gestrichen. Die Möblierung des Saales war reich an arabischer Bildhauerarbeit, mit elfenbeinweißem Anstrich und vergoldeter Ornamentik.
Im 2. Obergeschoss: Der mittlere Salon. Der ebenfalls rechteckige Saal mit inneren Eckabschrägungen zur Aufnahme der Ofennischen war mit einer ausgesprochenen Architekturmalerei versehen. Der Gedanke der architektonischen Lösung entspricht im großen und ganzen der Dekoration des unteren Salons, nur dass diejenige des oberen Saales einen ganz anderen Charakter zeigt; dort eine gewisse Feierlichkeit und Monumentalität, hier eine sonnige, festliche Stimmung für eine sorglose, heitere Geselligkeit geschaffen. Dazu trägt sowohl die formale wie auch die malerische Behandlung bei. Keine strenge Behandlung des Details, sondern eine reichere Lösung der jonischen Ordnung mit kannelierten Pilastern, über Eck gestellte Voluten mit Festons gewählt und das Gesims mit Ornamenten verziert. Die Supraporten schneiden über den Gesimsen der Türen und Ofennischen in den Architrav des Deckengesims hinein, genau wie die Fenster. Die Supraporten sind als Reliefs behandelt, die Ton in Ton gehaltene mythologische Szenen darstellen. Die Felder zwischen den Pilastern füllen Landschaftsbilder in reichem Bundelstabprofilrahmen, darunter Füllungen mit beinahe graphisch behandelten Ornamenten. An der Fensterwand treffen wir wieder auf die bekannten Trumeaur mit Vorsatztischen. Einige Gesimsteile sind plastisch behandelt, wie z. B. Musik, Platte und Sima der Türen- und Nischengesimse. Ähnlich beim Deckengesims, dass vom Zahnschnitt ab aufwärts modelliert ist. Die Decke ist mit mehreren Profilbändern verziert. Der Raum wurde früher durch fünf Beleuchtungskörper erhellt, die aus besonderen Deckenrosetten an Seilen mit Duaften herabhingen. Der Boden besteht aus quadratischen verleimten forchenen Holztafeln zwischen gebeizten Buchenholzfriesen. Der Grundton der Wand ist braunrot, auf dem die Architekturglieder sowie alles Rahmenwerk in grünlichem Ton schattenwerfend und zum Teil mit perspektiven Untersichten gemalt lebhaft aufgetragen sind. Türen und Nischen mit Umrahmung und Gesims sind elfenbeinweiss gehalten und teilweise Vergoldung der Profilierung. Entsprechend ist die Decke behandelt. Die Ornamente der Füllungen sind in braunen und ockergelben Tönen dargestellt. Der Künstler, der die Malerei in den beiden letzten Räumen ausgeführt hat, ist nicht bekannt. Man kann an Heideloff denken, der den Speisesaal in Hohenheim ausgemalt hat. Jedenfalls sprechen die Landschaftsbilder dafür. Bauliche Veränderungen: um 1870 Gasbeleuchtung Abtrennung der Flure vom Treppenhaus durch Glaselemente. 1902 Ausbau DG zur Wohnung 1962 Totalsanierung mit damaligem Denkmalverständnis. Aus heutiger Sicht eher als denkmalersetzend anstatt denkmalerhaltend zu bezeichnen. Besitzerfolge: Familie Vischer bis 1825 Familie Staelin bis 1902 (Bankrott Baumwollspinnerei) Ludwig Schüz Fabrikant und Mitinhaber Calwer Decken In Familienbesitz bis 1962 Zusammmenfassung Die Ausstattung des Gebäudes zeigt die verschiedenartige Behandlung von Wohn- und Gesellschaftsraum. Die Merkmale der Wohnräume sind die gesamte Brustlamperie mit Füllungstüren in Futter und profilierter Bekleidung, die weitgehende Verwendung der Tapete und zwar meist in starken unifarben mit aufgezeichneten Ornamenten, die Tapete in Feldereinteilung oder mindestens mit ringsum laufender Bordüre beklebt, das Deckengesims, die Decke mit vertieftem Band und Rosette. Der Farbe kommt ausschlaggebende Bedeutung zu. Man spricht hier auch vom roten, gelben und blauen Zimmer, je nach Farbe der Tapete, der sich die Fenstervorhänge und die Möbelbezüge anpassen. Das Holzwerk ist meist gestrichen, seltener im Ton gehalten. Die Beschläge bestehen aus Messing, die Böden wurden meist in Tafelparkett ausgeführt. Die Repräsentationsräume dagegen erfahren eine reichere Dekorierung, bei der die Stuckdekoration als die schönste gilt. Die Stuckierung besteht meistens in einer leichten Architektur. Der Charakter des Dekors ist strenger oder reicher je nach dem Zweck des betreffenden Raumes. Im ornamentalen Beiwerk treten die charakteristischen Motive des Louis XVI, wie z. B. Emblem der Musik, Symbole der Landwirtschaft, des Landlebens, des Handels, der Jagd usw. auf, sowie pflanzliche Ornamente, die an Bändern und Schleifen in den Felderfüllungen hängen, dann Porträtmedaillons, Relieftafeln usw. Die Malereien behandeln zunächst ebenfalls architektonische Motive bei gleichem Dekor, zum anderen bringen sie eine Rahmengliederung mit ornamentalen Füllungen, Reliefs und Wandbildern, die zweifellos von der Freskenmalerei der Renaissance, erst viel später aber auch von Pompeji her beeinflusst werden. Für das Gebäude lässt sich sowohl hinsichtlich des Grundrisses wie des Aufbaus ein Typus feststellen, für den der rechteckige oder U-förmige Grundriss charakteristisch ist, dessen Rückgrat der durchlaufende Längsflur bildet. Das normale Zimmer erhält in der Regel zwei Fenster, der Saal drei Achsen. |
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