Hermann-Hesse-Statue
     Eine Stadt verändert sich

 
 

Die Nikolauskapelle als Jahrhunderte altes Wahrzeichen von Calw hat im Hermann-Hesse-Jahr 2002 prominente Konkurrenz bekommen: Auf der steinernen Nagoldbrücke steht jetzt nur wenige Schritte weiter eine neue Bronze-Statue, die in ihrer kurzen Karriere zum Lieblingsobjekt fotografierender Touristen avancierte. Kein Wunder: Es zeigt Hermann Hesse, auf dem Boden stehend und lebensgroß.

Ein Dichter zum Anfassen – und das erste richtige Denkmal, das Calw seinem großen Sohn gesetzt hat.

Finanziert wurde die Hesse-Skulptur durch eine Spendenaktion des Bürger-Arbeitskreises "Hermann-Hesse-Platz". Der Bildhauer Kurt Tassotti aus Mühlacker gab ihr den Titel "Zwischen Verweilen und Aufbruch" in Anspielung auf ein Lebensprinzip Hermann Hesses, scheinbar unvereinbare Gegensätze miteinander zu vereinbaren, Unversöhnliches miteinander zu versöhnen. Die Figur zeigt den etwa 55 Jahre alten Hesse, der auf der Nikolausbrücke ("Das ist mir der liebste Platz im Städtchen") liebevoll den Blick nach Calw richtet und dort verweilt. Gleichzeitig hat er den Hut schon in der Hand und zeigt, dass er im Aufbruch ist, hier also nicht bleiben will. Verweilen und Aufbruch, zwei scheinbar unvereinbare Gegensätze, gehen bei Hesse zusammen, ohne dass er das eine mit dem anderen vermischt, er das eine dem anderen opfert. So gesehen ist dieses in Bronze gegossene Lebensprinzip Hermann Hesses auch heute noch von faszinierender Aktualität.


Bei der Enthüllung der Hesse-Statue: Groß-Nichte Marie Luise Bodamer und Enkel Silver Hesse bewundern ihren berühmten Verwandten in Bronze.