In den 1950er-Jahren und verstärkt nach Hermann Hesses Tod 1962 begann die Stadt Calw das Erbe ihres großen Sohnes systematisch zu sammeln und zu pflegen. Der damalige Stadtarchivar Walter Staudenmeyer legte eine Sammlung von Büchern, Dokumenten und Erinnerungsgegenständen an, die 1965 zu einer Hermann-Hesse-Gedenkstätte innerhalb des Stadtmuseums führten. 25 Jahre später erhielt der stark angewachsene Fundus ein eigenes Hermann-Hesse-Museum in einem stattlichen Palais am oberen Marktplatz in Sichtweite von Hesses Geburtshaus. In 9 Räumen wird darin anschaulich über den Lebenslauf, das Werk und die Wirkung Hermann Hesses informiert. Die von Volker Michels, dem Herausgeber der Hesse-Werke im Suhrkamp Verlag, in Zusammenarbeit mit dem Grafikdesigner Heiko Rogge 1990 gestaltete und 2001 renovierte Dauerausstellung ist chronologisch aufgebaut. Sie beginnt mit einem Raum zu den Eltern und Großeltern Hermann Hesses und endet mit einem Einblick in die letzten Lebensjahre des Literaturnobelpreisträgers in Montagnola bei Lugano, wo er 1962 starb. In den dazwischenliegenden Räumen werden seine Geburt 1877 und seine Kinderzeit in Calw und Basel dokumentiert, seine Jugend- und Schuljahre in Calw, Göppingen, Maulbronn und Cannstatt, seine schweren Monate in der Heilanstalt Stetten, seine Mechanikerlehre in Calw und anschließende Buchhändlerlehre in Tübingen, seine ersten schriftstellerischen Erfolge während seiner Buchhändlerzeit in Tübingen und Basel, seine Gründung einer freien Schriftstellerexistenz und Familie 1904 in Gaienhofen am Bodensee, seine Italienreisen und die Fahrt 1911 nach Ceylon und Hinterindien, sein Umzug nach Bern 1912 und die dortigen schweren Jahre während des Ersten Weltkriegs und schließlich seine einsame Flucht 1919 ins Tessin, wo er in dem Dörflein Montagnola oberhalb des Luganer Sees für die ihm verbleibenden 43 Lebensjahre eine zweite Heimat fand, in der er seine großen Romane „Siddhartha“, „Steppenwolf“, „Narziß und Goldmund“ sowie „Das Glasperlenspiel“ schrieb.
Die Ausstellung arbeitet mit Fotos, Dokumenten, Briefen, Erstausgaben, Exponaten und Erläuterungen. Von besonderem Reiz sind die zahlreichen Exponate aus dem Besitz Hermann Hesses, wie z.B. Schreib- und Malwerkzeug, Briefe, Bücher, Mobiliar, Kleidungsstücke, Kunstgegenstände, Gartengeräte ... Ein Höhepunkt der Ausstellung sind zwölf Originalaquarelle Hermann Hesses im Tessin-Raum.
Für Besucher stehen Audioguides in deutscher, englischer und japanischer Sprache zur Verfügung.
Das Museum wird im Detail in einem im Museumshop erhältlichen Museumsführer beschrieben (Marbacher Magazin, Sonderheft 54/1990).
Gruppenführungen können gebucht werden über: Hesse-Museum, Marktplatz 30, D-75365 Calw, e-mail: Hermann-Hesse-Museum@calw.de
Telefon 07051-7522 oder 07051-939710, Fax 07051-9352210
Öffnungszeiten:
April - Oktober Die-So 11-17
November - März Die-Do, Sa-So 11-16,
Freitag ganztägig mit Führung nach Anmeldung, insbesondere für Schulklassen