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NS-belastete Straßennamen

Auguste Supper (1867 – 1951)

Auguste Schmitz wurde in Pforzheim geboren und verlebte (ab 1873) ihre Kindheit und Jugend in Calw, wo ihre Eltern das Bahnhofsrestaurant betrieben. Schon früh fand sie Gefallen am Schreiben und konnte kleinere Beiträge veröffentlichen.

Im Alter von 20 Jahren heiratete sie den Juristen Otto Supper, der ein Anhänger rechtsradikaler, nationalistischer Ideen war, Mitglied beim Alldeutschen Verband und Befürworter des in Württemberg Ende des 19. Jahrhunderts stark an Boden gewinnenden Antisemitismus. Auguste Supper veröffentlichte erste Bücher.

Im Jahr 1911 starb Otto Supper und seine Frau fühlte sich verpflichtet, seine politischen Überzeugungen weiter zu propagieren. Daneben wurde sie als Schriftstellerin immer erfolgreicher. Sie veröffentlichte vor allem Erzählungen und Romane, die im bäuerlichen Nordschwarzwald ihrer Jugend angesiedelt sind. Sie beschreibt darin die Eigenart der Menschen und die Schwere ihres Alltags. Die zeitgenössische Kritik lobte sie als genau beobachtende Erzählerin.

1. Weltkrieg


Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterstützte sie mit großem Nachdruck die Forderung nach einem deutschen Sieg-Frieden Sie stellte das „heroische, kriegerische Germanen- und Barbarentum“ dem angeblich „dekadenten, kulturell unterlegenen Wesen“ der Briten und Franzosen entgegen. Sie sah ihre Aufgabe darin, durch Gedichte und Aufrufe den Kampfwillen der deutschen Soldaten zu stärken und forderte die deutschen Frauen auf, ebenfalls entsprechend auf ihre Männer einzuwirken.

Nach dem verlorenen Krieg lehnte sie die Republik als „Zeit des dumpfen Vegetierens“ ab und begeisterte sich bereits 1923 für die nationalsozialistische Bewegung Adolf Hitlers. Als Adolf Hitler 1933 von Reichspräsident Hindenburg – der währen des Krieges wiederholt kriegsverherrlichenden Bücher der Schriftstellerin  angefordert hatte –  zum Reichskanzler ernannt wird, war dies für Auguste Supper das „zukunftsträchtigste und bedeutungsvollste Ereignis meiner Lebenszeit“. Auguste Supper sah in der Führung des Deutschen Reiches durch Hitler eine Art göttlicher Fügung. Sie nahm fortan vehement Stellung gegen die evangelische Kirche, die sie als „wurmzerfressenes Holz“ bezeichnete, weil sie teilweise in Opposition zum NS-Staat trat. Die Nationalsozialisten ehrten sie unter anderem mit der Ernennung zur Ehrensenatorin der Reichskulturkammer. 1942 erhielt sie den „Schwäbischen Dichterpreis“. In ihrer Autobiografie redete sie 1937 der „Erledigung der Judenfrage“ das Wort.

Nach 1945


Auch die totale deutsche Niederlage und die Kenntnis deutscher Verbrechen nach 1945 brachten Auguste Supper nicht dazu, ihre Überzeugungen zu überdenken. Im Entnazifizierungsverfahren wurde sie zunächst als „Belastete“ eingestuft, später wurde die Anklage zurückgezogen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1951 distanzierte sie sich in keiner Weise vom Nationalsozialismus. Den NS-Propagandaminister Goebbels bezeichnete sie noch nach dessen Tod  als „guten deutschen Mann“, der „seine Rednergabe für des Führers und damit Deutschlands Sache eingesetzt“ habe.

Straßenbenennung


Auf Vorschlag von Bürgermeister Reinhold Seeber benannte der Gemeinderat der Stadt Calw ohne Aussprache und Gegenstimme im Juni 1963 eine Straße in einem Neubaugebiet im Ortsteil Alzenberg nach Auguste Supper. Dabei spielte die vielfach geäußerte politische Überzeugung von Frau Supper offenbar keine Rolle, sondern allein die Tatsache, dass sie längere Zeit ihres Lebens in Calw beheimatet und eine erfolgreiche Schriftstellerin gewesen war.

Aktuelle Stellungnahme


Im Juni 2016 gab ein Gesprächskreis Calwer Bürger die Empfehlung, die Auguste-Supper-Straße nicht umzubenennen. Die Namensgeberin der Straße kann als Anlass dazu genommen werden, sich kritisch mit deutschem Nationalismus, einem mittlerweile längst überholten Gesellschafts- und Frauenbild und der Haltung der deutschen Nachkriegsgesellschaft gegenüber dem Nationalsozialismus nach 1945 auseinanderzusetzen.

Große Kreisstadt Calw
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