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NS-belastete Straßennamen

Otto Göhner (1885 – 1978)

Bürgermeister der Kreisstadt Calw

Otto Göhner  war von 1918 bis 1946 Stadtschultheiß (Amtsbezeichnung ab 1928: Bürgermeister) der Oberamts- bzw. Kreisstadt Calw. Er wurde als Nachfolger des im Jahr 1918 gefallenen Eduard Conz gewählt. Unter Göhners Leitung wurden in den 1920er Jahren mehrere größere Projekte in Calw trotz wirtschaftlicher und finanzieller Probleme begonnen und erfolgreich zu Ende gebracht. Etwa der Bau der Oberschule (heute Hermann-Hesse-Gymnasium) und der Panoramastraße, heute Schillerstraße.


Göhner agierte als erfahrenes, geschicktes und realistisch denkendes Stadtoberhaupt. Er wurde 1933, nach der Machtübertragung an Adolf Hitler und die Nationalsozialisten in Deutschland, in seinem Amt belassen. Das war bei Bürgermeistern, die keiner NS-kritischen Partei angehörten und auch sonst nicht aufgefallen waren, die Regel. In die NSDAP trat er nach eigenen Angaben in seinem Entnazifizierungsakten erst 1940 ein. Im Jahr 1943 feierte er sein 25-jähriges Dienstjubiläum. In einem umfangreichen Rückblick auf seine Tätigkeit bis dahin äußerte er auch unterschwellige Kritik an der Kommunalpolitik des NS-Regimes.

Ruhestand und Verwaltungsleiter des Kreiskrankenhauses Calw

Bei seiner Entnazifizierung am 29. Januar 1946 bescheinigte ihm der Untersuchungsausschuss, er besitze das volle Vertrauen der antifaschistischen Bevölkerung, sei ein vornehmer Charakter und ein tüchtiger Bürgermeister. 1946, im Alter von 61 Jahren, bat Göhner aus gesundheitlichen Gründen um Versetzung in den Ruhestand und kam so einer zwangsweisen Entfernung aus dem Amt durch die französische Militärregierung zuvor.

Von 1946 bis 1955 war er Verwaltungsleiter des Kreiskrankenhauses Calw. 1965 verlieh ihm die Stadt Calw die Hermann-Hesse-Medaille.

Gesinnung Göhners

Göhner wurde in den vergangenen Jahrzehnten u.a. vorgeworfen, durch Denunziation die Verhaftung und KZ-Inhaftierung des Calwer Kommunisten und Regimegegner Hans Ballmann bewirkt zu haben. Außerdem soll er regimekritische Bürger während der NS-Zeit benachteiligt oder rüde behandelt haben. Für keine dieser Vorwürfe liegen dem Stadtarchiv konkrete, belastbare Belege vor. Ein von ihm unterzeichneter Aufruf aus dem Jahr 1937, der sich indirekt gegen den Zuzug von Juden richtete, entsprach dem Wortlaut nach Aufrufen, die zu diesem Zeitpunkt in zahlreichen anderen Städten ebenfalls veröffentlicht wurden. Eine besondere nationalsozialistische Gesinnung Göhners lässt sich hieraus nicht ableiten.


Straßenbenennung

Im Jahr 1963 –also noch zu Lebzeiten Göhners – benannte der Gemeinderat der Stadt Calw auf besonderen Wunsch des Bürgermeisters Seeber eine Straße im Neubaugebiet auf dem Wimberg nach Otto Göhner.

Aktuelle Stellungnahme

Im Juni 2016 gab ein Gesprächskreis Calwer Bürger die Empfehlung, die Otto-Göhner-Straße nicht umzubenennen. Die Otto-Göhner-Straße kann zum Anlass genommen werden, sich mit der Calwer Stadtgeschichte in der Zeit der Weimarer Republik, der des Dritten Reiches, und der ersten Nachkriegsjahre auseinanderzusetzen.

Große Kreisstadt Calw
  • Stadtverwaltung Calw
  • Marktplatz 9
  • 75365 Calw
  • Telefon: 07051 167-0
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