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NS-belastete Straßennamen

Paul von Hindenburg (1847-1934)

Paul von Hindenburg  war deutsch-preußischer Offizier und Politiker. Er kämpfte bereits im Krieg Preußens von 1866 als Leutnant,  machte anschließend in der preußischen Armee eine wenig auffällige Karriere und wurde 1911 als General verabschiedet. Im Sommer 1914 wurde er „reaktiviert“ und als Oberbefehlshaber einer deutschen Armee zusammen mit dem jungen Generalstabsoffizier Erich Ludendorff mit der Abwehr eines russischen Angriffs auf Ostpreußen beauftragt. In der von Ludendorff geleiteten „Schlacht von Tannenberg“ gelang ein bedeutender Sieg.

In der Folge entwickelte sich ein von Hindenburg selbst aktiv aufgebauter Mythos, der ihn zum „Retter Ostpreußens“ und schließlich  zur Hoffnungsgestalt im Reich hochstilisierte. Im August 1916 errichteten Hindenburg und Ludendorff eine Art von Militärdiktatur (3. Oberste Heeresleitung, kurz OHL), die den Kaiser und die zivile Regierung zunehmend kontrollierte und zurückdrängte.

Im Herbst 1918 mussten Hindenburg und Ludendorff die militärische Niederlage Deutschlands eingestehen und forderten von der Politik Waffenstillstandsverhandlungen. Deutschland hatte den Krieg verloren. Hindenburg überredete Kaiser Wilhelm II. zur Flucht ins Exil und die OHL arrangierte sich mit den neuen republikanischen Gewalten. Nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages wurde die OHL aufgelöst und Hindenburg zog sich in der Folge aus der Öffentlichkeit zurück. Er trug aber durch seine Äußerung, das deutsche Heer sei nicht vom Gegner, sondern durch revolutionäre Kreise in der Heimat besiegt worden („Dolchstoß-Legende“) zu einer innenpolitisch vergifteten Atmosphäre bei.


Reichspräsidenten der Weimarer Republik

Im Jahr 1925 wurde er von konservativ-monarchistischen Vertrauten dazu überredet, für das Amt des Reichspräsidenten der Weimarer Republik zu kandidieren und gewann die Wahl im 2. Durchgang. Als erster vom Volk gewählter Reichspräsident hielt sich Hindenburg an die Vorgaben der republikanischen Verfassung. Als sich die wirtschaftliche und innenpolitische Situation in Deutschland in der Folge der Weltwirtschaftskrise dramatisch verschlechterte, griff Hindenburg jedoch zunehmend zum Mittel der „Präsidialregierung“, das heißt es wurde mithilfe von ihm erlassener Verordnungen regiert.

Damit wurde das für die Gesetzgebung zuständige Parlament tendenziell entmachtet, der Reichstag konnte jedoch die Notverordnungen, mit denen die Reichsregierungen agierten, aufheben. Hindenburg benötigte daher eine „Duldung“ seiner Politik, die ihm zunehmend von gemäßigten Reichstags-Fraktionen, darunter der SPD, gewährt wurde, um „Schlimmeres zu verhindern“, vor allem ein Erstarken der linken und rechten Fundamentalopposition (KPD und NSDAP).

Wiederwahl als Reichspräsident

Diese Duldung durch die SPD trug ihm die Kritik seines konservativ-monarchistischen Umfeldes ein und nachdem er im Sommer 1932 erneut zum Reichspräsidenten gewählt worden war, strebte er eine weitaus konservativere, rechte Regierung an. Im Januar 1933 schließlich ernannte er den ihm zunächst wenig sympathischen Führer der Nationalsozialisten Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die neue Regierung erließ in rascher Folge Gesetze und Verordnungen, die die Demokratie und bürgerliche Grundrechte weitgehend beseitigten. Hindenburg, geistig noch auf der Höhe, trug diesen Weg in die Diktatur widerspruchslos mit.

Straßenbenennung

Am 2. Mai 1933 beschloss der bereits nationalsozialistisch dominierte Gemeinderat der Stadt Calw, Hindenburg zum Ehrenbürger zu ernennen und zugleich die Kapellenbergstraße in Hindenburgstraße umzubenennen. Diesen Namen trägt sie heute noch.

Aktuelle Stellungnahme

Im Juni 2016 gab ein Gesprächskreis Calwer Bürger die Empfehlung, die Hindenburgstraße nicht umzubenennen. Die Hindenburgstraße in Calw bietet Anstöße dazu, sich mit der ereignisreichen deutschen Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf lokaler Ebene zu befassen: Erster Weltkrieg, Ende der Monarchie, Novemberrevolution, Weimarer Republik und Weg in die nationalsozialistische Diktatur.

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