Sachgebiet Stadtarchiv

NS-belastete Straßennamen in Calw:
Eine fortdauernde Debatte

Wie in vielen deutschen Städten und Gemeinden, so wurden auch in Calw in den Jahren des Nationalsozialismus und in den ersten Nachkriegsjahrzehnten Straßen nach Personen benannt, die direkt oder indirekt mit dem NS-Regime in Verbindung gebracht werden können. In Calw betrifft dies u.a. die Auguste-Supper-Straße (benannt 1963), die Hindenburgstraße (benannt 1933), die Heinz-Schnaufer-Straße (benannt 1957) und die Otto-Göhner-Straße (benannt 1963).


Auguste-Supper-Straße, Hindenburgstraße, Heinz-Schnaufer-Straße und Otto-Göhner-Straße

Auguste Supper (1867-1951), die ihre Kindheit in Calw verbrachte, war eine erfolgreiche Schriftstellerin und „Heimatdichterin“. Sie vertrat stark nationalistische Standpunkte und war eine vom NS-Regime geehrte Bewunderin Adolf Hitlers. Paul v. Hindenburg (1847-1934) war deutscher Soldat und Politiker und gilt vielen als „Steigbügelhalter Hitlers“. Heinz Schnaufer (geboren 1922 in Calw, tödlich verunglückt 1950) war als Offizier der deutschen Luftwaffe der erfolgreichste Nachtjäger des Zweiten Weltkrieges. Otto Göhner (1885-1978) schließlich war während der gesamten Jahre der NS-Zeit Bürgermeister der Stadt Calw.

Weitere Informatione zu den Personen:



Die Benennung von Straßen nach den erwähnten Personen, die in unterschiedlicher Intensität mit dem NS-Regime in Verbindung gebracht werden können, wurde in Calw immer wieder von Seiten einzelner Bürger, Gemeinderatsfraktionen und auch der Presse kritisiert und hinterfragt. Eine offizielle Stellungnahme von Seiten der Stadtverwaltung oder ein entsprechender Beschluss des Gemeinderats erfolgten jedoch bis dahin noch nicht.

Gesprächsrunde und Beschluss des Gemeinderats

Im Frühjahr 2016 beschloss die Stadtverwaltung, unter Federführung des Stadtarchivs eine Gruppe historisch interessierter und lokalpolitisch aktiver Bürger zu bitten, über den Umgang mit den kritisierten Straßennamen zu diskutieren. Ziel war dabei, auf der Basis auch unterschiedlicher Meinungen eine Empfehlung zu erarbeiten, die Grundlage sein sollte für den weiteren Umgang mit den Straßennamen und deren Namensgebern.

Nach intensiven Gesprächen legte die Gesprächsrunde im Frühjahr 2017 der Stadtverwaltung eine Empfehlung vor. Demnach sollten die Straßen nicht umbenannt werden. Als notwendig wurde jedoch erachtet, zum einen die Biografien der genannten Personen unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse und aus heutiger Sicht einem weiteren Publikum bekannt zu machen. Zum anderen sollten die speziellen Zeitumstände der Namensvergabe erhellt und berücksichtigt werden.

Empfohlen wurde daher von der Gesprächsrunde, in die Diskussion über Belassung oder Umbenennung durch öffentlich zugängliche, weiterführende Informationen einen möglichst großen Kreis von interessierten Bürgern in die Diskussion miteinzubeziehen. Dazu sollten biografische Texte auf der Homepage der Stadt Calw sowie über QR-Codes an den Straßenschildern – die durch einen kurzen Text zu den Namensgebern ergänzt werden – zur Verfügung gestellt werden.

Eine entsprechende Beschlussvorlage wurde am 27. April 2017 dem Gemeinderat der Stadt Calw vorgelegt und von diesem mehrheitlich angenommen.

Beschlussvorlage des Gemeinderats 27. April 2017

Diskussionsbeiträge und Kommentare

Alle interessierten Bürger sind nunmehr eingeladen, zur Problematik der NS-belasteten Straßennamen in Calw Stellung zu nehmen. Diskussionsbeiträge und Kommentare werden gesammelt und sollen das aktuelle Meinungsbild bei der Bevölkerung widerspiegeln.

Ansprechpartner

Stadtarchiv Calw: Im Zwinger 20, 75365 Calw
E-Mail: stadtarchiv@calw.de
Tel: 07051/167 260


Große Kreisstadt Calw
  • Stadtverwaltung Calw
  • Marktplatz 9
  • 75365 Calw
  • Telefon: 07051 167-0
  • E-Mail: info@calw.de
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK